CAR2GO oder Catch Me If You Can

Als am 1. April 2009 CAR2GO weltweit in Ulm startete war ich als Tester mit dabei. Damals war das Carsharing gerade am aufkommen und keiner wußte genau wohin die Reise gehen würde.
Seit vergangener Woche gibt es nun CAR2GO auch in Stuttgart. Also klar das ich das unbedingt testen mußte.

Vergangenes Wochenende habe ich gleich einmal das neue Carsharing in Stuttgart CAR2GO getestet.
Erste Besonderheit in Stuttgart: Die 300 verfügbaren Smart sind durch die Reihe weg mit Elektroantrieb ausgestattet.

Bevor es richtig los ging mußte ich mir noch die Mitgliedskarte von CAR2Go im eigenen Laden in der Stephanstraße 25 besorgen. Ich hatte noch aus 2009 die alte Variante, einen Badge auf dem Führerschein. Neumitglied zu werden ist ganz einfach möglich indem man sich per online Formular anmeldet oder im Laden bzw. einem der Partnershops von Europcar persönlich vorbei kommt und sich dort auch gleich die Mitgliedskarte ausstellen zu lassen. Aktuell ist die Anmeldung kostenlos inklusive 30 Freiminuten. Später wird die Anmeldung kostenpflichtig.

Der Live Test

Am Samstag war es dann auch gar nicht so leicht in der Stadtmitte Stuttgarts eines der 300 CAR2GO in der näheren Umgebung zu bekommen. Die meißten Smart der Flotte waren in den Vororten verstreut.
Hier zeigt sich schon ein kleiner negativ Punkt. Wie im Leben ist es auch mit dem CAR2GO:
Es ist keiner da wenn man einen braucht. 
Ziemlich doof, da man ja mit diesem Konzept ja eher flexibel und spontan sein möchte. Prinzipiell kann man einfach an ein CAR2GO gehen und diesen direkt mit seiner Mitgliedskarte anmieten. Über das Web und die App läßt sich auch ein verfügbares CAR2GO auswählen und bis zu 30 Minuten im Voraus kostenfrei reservieren. Nutzt man zur Reservation die App sieht man auch gleich wie hoch noch der Ladestand des jeweiligen CAR2GO ist. Schafft man es innerhalb der 30 Minuten nicht das Auto mit der Karte vor Ort anzumieten verfällt die Reservation und das CAR2GO ist wieder für jedermann verfügbar.

Ich hab mir also ein CAR2GO in Stöckach gesichert und hatte gleich eines erwischt das an einer Ladestation hing. Zuvor wurde ich schon im Laden darauf aufmerksam gemacht, das viele Stuttgarter derzeit wohl noch Probleme mit dem Ladevorgang haben und deshalb die Service Hotline glühe. So bekam ich deshalb auch gleich ein Flyer dazu mit auf den Weg. Doch Theorie und Praxis unterscheiden sich in der Tat und auch ich habe ein wenig gebraucht bis ich den Smart von der Ladestation befreien konnte. Dann ging es aber los!

Sobald man das CAR2GO mit der Mitgliedskarte angemietet, also aufgeschlossen hat, wird man von einer freundlichen Stimme begrüßt.
Zündschlüssel umgedreht und… nichts! Man hört rein gar nichts. Lediglich eine Anzeige in der Instrumententafel zeigt „Ready“ an. Also aufs Gaspedal und *wuusch* surrt der kleine Elektroflitzer auch schon los. Es ist ein leises, kaum wahrnehmbares Geräusch. Sobald man das Autoradio einschaltet hört man vom Fahrgeräusch nichts mehr. Die Beschleunigung ist dabei ein echtes Highlight und macht richtig Spaß. Doch aufgepasst! Der Bordcomputer hat eine EcoScore Anzeige. Hier sieht man an Hand einer Grafik und Zahlen ob man auch ökologisch fährt. Festgemacht wird das an den Indikatoren Beschleunigung, Beständigkeit und Bremsen. Wenn man mit seinem Fahrstil etwas spielt, bekommt man über diese Grafik schnell Rückmeldung wie sich das jeweilige Fahrverhalten auswirkt.

Hier kommen wir auch zu meiner größten negativen Überraschung: Der Akku

Bisher spielen reine Elektrofahrzeuge in unserem Straßenverkehr so gut wie keine Rolle. Wenn überhaupt sieht man hybrid-getriebene Varianten fahren. Zurecht. Während meiner ersten Testfahrt quer durch Stuttgart, also mal Berg auf, mal Berg ab, etc. hatte ich einen zuvor fast mit 70% vollen Akku auf knapp 20% runter gefahren. Alles kein Problem so lang man innerhalb des Geschäftsgebietes, also innerhalb Stuttgarts, ist. Dann stellt man den Smart einfach ab und die Sache ist erledigt. Ist dann der Ladestand unter 20% wird der Smart aus der Liste der verfügbaren CAR2GO genommen und ein freundlicher Mitarbeiter sammelt ihn bei nächster Gelegenheit ein um ihn an einer Tankstelle zu laden. Stellt man sein angemieteten CAR2GO nach der Fahrt nicht einfach irgendwo ab, sondern wenn er unter 40% ist an einer Tankstelle ab um ihn zu laden bekommt man dafür Freiminuten gut geschrieben. Den nächsten Mieter freuts.
Hier wäre es aber schön, wenn zusätzlich zum Ladekabel für die EnBW-Tankstellen noch ein Ladekabel für normale Steckdosen als „Notnagel“ dabei wäre. Sollte ich mich mal auf einer Fahrt verschätzen, könnte ich so wenigstens wieder an Strom kommen und es bis nachhause schaffen. Wer weiß schon wo außerhalb Stuttgarts die nächste passende Stromtankstelle ist.

Innerhalb Stuttgarts erscheinen auf dem Navigationsdisplay auch die Tankstellen für das CAR2GO. So sieht man immer ob eine am Zielort in der Nähe ist und kann sich gegebenen Falls auch direkt dorthin navigieren lassen.

Prinzipiell kann man mit einem CAR2GO überall hin fahren, solange der Akku mit macht. Man kann auch das Geschäftsgebiet Stuttgart verlassen und z.B. nach Ludwigsburg damit fahren. Allerdings kann ich dann am Ende der Fahrt den Smart nicht abmieten, sondern nur auf „Parken“ setzen. Somit ist er weiterhin von mir zu einem preiswerteren Tarif angemietet bis ich wieder meine Fahrt fortsetze. Erst wenn ich wieder innerhalb Stuttgarts bin kann ich das Auto an einem beliebigen Ort abstellen und abmieten.
Da man mit der Mitgliedskarte auch an anderen Standorten CAR2GO nutzen kann, wäre es mal interessant ob ich mit einem Stuttgarter CAR2GO auch nach Ulm fahren und ihn dort an einer Stromtankstelle laden könnte?!

Kommen wir zum unangenehmen Teil: Die Kosten
CAR2GO ist eigentlich nichts für eine längere Anmietung, dafür eignen sich Stadtmobil, Flinkster etc. um einiges besser.

CAR2GO ist optimal um schnell mal von A nach B zu kommen. Vorausgesetzt man findet einen Smart in der Umgebung.
29 Cent/Min klingt erstmal nicht viel, aber wenn man dann den Stundenpreis von 12,90 EUR sieht dämmert es einem ziemlich schnell. Für lange Fahrten kann dies ein teures Vergnügen werden. Der Tageshöchstsatz ist dabei auf 39 EUR beschränkt. Aber man sollte immer alles genau lesen. In den Tarifen steht nämlich auch das nur die ersten 20 km frei sind. Jeder weitere Kilometer kostet dann zusätzliche 0,29 Cent!

Fazit:
Klasse Konzept, das mit dem Elektroantrieb richtig Spaß macht. Der Spaß wird lediglich durch die doch relativ hohen Kosten schnell erschlagen.
Um sein Budget nicht völlig zu sprengen sollte man nur kurze Strecken innerhalb der Stadt fahren.
Dann aber sollte man sich ernsthaft überlegen ob ein Tagesticket für das gesamte Netz des VVS für 13,90 EUR nicht besser wäre.

4 Gedanken zu „CAR2GO oder Catch Me If You Can

  1. Thomas

    Hallo André,

    prinzipiell mal ganz gut beschrieben, wie das System funktioniert.
    Man könnte das ganze auch als groß angelegten „Feldtest“ der Firma Daimler bezeichnen, um Akzeptanz und Technik der reinen Batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) zu testen. Positiver Nebeneffekt für die Firma Daimler, der Car2Go-Kunde ist an den Kosten beteiligt.

    Da man immer weiß, wo sich die Fahrzeuge aufhalten, wie weit sie gefahren werden, wo sie geparkt, geladen und abgestellt werden, ist es einfach das typische Verhalten des evtl. (zukünftigen) Kunden zu bewerten und Praxiserfahrungen vor Ort zu sammeln.

    Zum Ausleihvorgang:

    Nach Identifizierung der Car2Go-Member Karte am Fahrzeug, dauert es unterschiedlich lange bis das Fahrzeug entriegelt wird. Bei einem Fahrzeug hat das System geprüft, und geprüft und geprüft… bis dann mal endlich eine Meldung kam „Fahrzeug gesperrt wegen…“ 🙁

    Das nächste Fahrzeug einen km weiter abgestellt meinte dann, meine Karte sei nicht registriert, hääää? Nochmal versucht und schwupps „Sesam Öffne dich“

    Aber dann ist es auch nicht einfach damit getan „Schlüssel rein, umgedreht und los gehts…
    Erst müssen noch diverse Eingaben auf dem Bordcomputer getätigt werden: PIN-Code + Schäden am Fahrzeug? + Sauberkeit innen/aussen?

    Erst dann kann es losgehen. Theoretisch…

    Zumindest hatte ich gestern 2 Fahrzeuge, die obwohl alles zuvor durchgeführt wurde nicht zum Wegfahren zu bewegen waren.
    Beide Fahrzeuge, an unterschiedlichen Standorten abgestellt, zeigten bei Einlegen einer Fahrstufe („R“ oder „D“) immer „0“ im Display.
    So konnte ich wenigstens mal die interne SOS-Hotline-Telefonierfunktion testen. Über die Qualität der Leistung schweige ich hier mal.

    PS: Die Batterien der beiden Fahrzeuge waren natürlich mit 96% und 65% ausreichend.

    Laden des Fahrzeugs, war mir nicht möglich, weil:

    Eines der Probleme in Stuttgart ist natürlich, das es zwar recht viele öffentliche ENBW-Ladestationen, verteilt über das Stadtgebiet, gibt diese aber sehr häufig mit „normalen“ Fahrzeugen zugeparkt sind.

    1.Ladeversuch:
    Beuthener Str. 70374 Stuttgart, oh Wunder beide Parkmöglichkeiten frei. Ladekarte entnommen, Ladekabel hervorgekramt, Karte an das Fenster der Ladesäule gehalten. Nichts passiert, keine Meldung, kein Hinweis, Nichts… 🙁

    2.Ladeversuch:
    Stuttgarter Str. 46, 70469 Stuttgart. Alle normalen Parkplätze entlang der Strasse frei (Sonntag) aber ein dicker BMW parkt die Ladesäule zu. Habe mich dann dahinter gequescht, Ladekarte entnommen, Ladekabel herausgekramt, Karte an das Fenster der Ladesäule gehalten, das Display meldet „Keine Ladepunkte verfügbar“ häää?
    Dieses mal die ENBW Störungsnummer angerufen, nach einiger Zeit meldete sich tatsächlich jemand. „Ohh ja, diese Meldung hatten wir heute schon häufiger…“

    Na ja, wir befinden uns offensichtlich noch in der Testphase. Bei DAIMLER und bei der ENBW.

    Zu der Tarifstruktur der ENBW-Ladsäulen (vom Land BW gefördert) für Privatkunden (Elektronauten) gäbe es noch so einiges zu sagen. Das ist vielleicht mal einen extra Artikel wert.

    Gruß, Thomas

    Antworten
    1. André Beitragsautor

      Danke für Deine ersten Erlebnisse.
      Ich wollte gestern auch ne Ladestation anfahren (Silberburgstraße 122)und als ich an der angegebenen Adresse war, gab es zwar Platz aber keine Ladestation.
      Laut car2go sind noch nicht alle verzeichneten Ladestationen auch wirklich schon installiert. Die EnBW plant dies bis Ende des Jahres geschafft zu haben. 🙂

      Antworten
  2. Dirk

    Hey,
    schön dass du jetzt auch mit den E-Smarts durch die Gegend düsen kannst.
    Bin über ein paar Sachen doch etwas verwundert:
    1) Habe dir ja mein Siegel-Aufkleber auf dem Führerschein gezeigt, wusste nicht dass es neuerdings Karten im Scheckkartenformat gibt
    2) Wenn man mal deinen Smart mit meinem https://fbcdn-sphotos-c-a.akamaihd.net/hphotos-ak-snc6/263633_4176258528688_1395995975_n.jpg vergleicht fällt auf, dass du schon einen Smart mit dem aktuellsten Facelift hat und ich „nur“ den Vor-Facelift (vgl. die Frontschürze und die Position des Smart-Logos überm/im Kühlergrill). Gibt scheinbar 2 Chargen E-Smarts
    3) Auf dem Foto hier, wo du die Kundenkarte präsentierst hast du sehr weibliche Fingernägel. Ein Faible? 😀
    4) Du kannst zwar mit dem Smart von Stuttgart nach Ulm fahren (und dabei mal testen, was der kleine auf der Autobahn schafft), aber dort abmieten kannst du ihn leider nicht, Autos können nur in der Stadt abgemietet werden wo sie auch hingehören. Bestes Beispiel hierfür sind Düsseldorf und Köln, welche beide ja nah beieinander liegen und beide Car2Go haben, aber eine Fahrt oneway leider nicht möglich ist. Sehr schade

    Wie du es schon sagtest: Car2Go ist etwas gutes, um spontan von A nach B zu kommen und preislich vergleichbar mit einem Taxi. In Stuttgart sind die Smarts eine sehr gute Ergänzung zum ÖPNV, sobald das Geschäftsgebiet ausgeweitet wird.

    Gruß aus Hamburg

    Antworten
  3. X-tof

    das Problem an der Fahrt nach Ulm ist wohl die Strecke. Wenn Du schon durch Stuttgart den halben Akku brauchst, wie willst Du dann über die Alb kommen?
    Außerdem sind in Ulm nur konventionelle Smarts. Ich weiß nicht, ob die dort überhaupt eine e-Tanke haben….

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.