Wie aus dem Hl. St. Nikolaus der Weihnachtsmann wurde

Nun beginnt die Vorweihnachtszeit, die Adventszeit.
Weihnachten und die besinnliche Zeit ab dem 1. Advent hat längst dem Konsum Platz gemacht. Durch die vollen Einkaufsstraßen an den Adventssonntagen zu laufen ist alles, nur nicht besinnlich. Haben wir denn Sinn von Weihnachten vor lauter Werbung und Kaufrausch aus den Augen verloren? Kurz und knapp: Ja!
Aber die Wandlung des religiösen Festes zu einem Fest des Konsums hat eine lange Geschichte.
Alles beginnt mit dem Nikolaus…

Steckbrief
Name:         Nikolaos von Myra
Geboren:     (zwischen 270 und 286 in Patara)
Gestorben:  (6 Dezember 326, 345, 351 oder 356)
Beruf:          Bischof von Myra, dem heutigen Demre in der Nähe von Antalya
Elternhaus:  Stammt aus reicher Familie
Soziales :    Wohltäter der Armen und in Not geratenen Menschen; Schutzpatron der Kinder, Bäcker und Seeleute

Geschichtliches:
Nikolaos Eltern starben als er 16 Jahre alt war. Eine Zeit lang wohnte er alleine im Elternhaus und war zu jedem freundlich und hilfsbereit der an seiner Tür klopfte. Später zog er zu einem Vetter nach Myra wo er bald im Kloster von Sion Priester und dann auch Bischof wurde. Nikolaos soll ein guter Bischof gewesen sein. Er half den Leuten, wo er nur konnte. Von dem Geld, das er für sein großes Elternhaus bekam, ließ er Armenhäuser bauen und richtete Waisenhäuser für Kinder ein. Im Hafen zu Myra lies er ein Haus für die alten Seeleute bauen, die nicht mehr aufs Meer hinaus fahren konnten.
Italienische Kaufleute brachten nach der Eroberung von Byzanz durch die muslimischen Türken die Gebeine Nikolaos 1087 nach Bari (Italien), wo sie ihm zu Ehren die Kirche „Basilika S. Nicola“ bauten um seine Gebeine in einem Schrein aufzubewahren. Bis heute wird jedes Jahr am 8. Mai in Bari ein Fest gefeiert. Am 8. Mai 1087 wurden seine Gebeine von Myra nach Bari gebracht.

Heute vermutet man das der legendäre Nikolaus eine Verschmelzung aus zwei historischen Personen ist: dem Bischof Nikolaus von Myra im kleinasiatischen Lykien, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gelebt hat, und dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war, und am 10. Dezember 564 in Lykien starb. Aus diesen beiden historischen Personen entwickelte sich die ab dem 6. Jahrhundert in Legenden zu findende fiktive Figur des wundertätigen Bischofs von Myra.

Nikolaos von Myra war und ist der meist verehrte Heiliger der Orthodoxen Kirche. „Nikolaus Kult“ in Deutschland wurde im 10. Jahrhundert besonders durch die Kaiserin Thephanu, die griechische Ehefrau des Kaisers Otto II. gefördert.
Seit 1555 ist Nikolaus bei uns als Gabenbringer für Kinder belegt. Ab dem 17. Jahrhundert bekam der Nikolaus einen Furcht einflößende Gehilfen als Begleiter zur Seite gestellt.

Ach, du lieber Nikolaus,
komm ganz schnell in unser Haus.
Hab so viel an dich gedacht!
Hast mir doch was mitgebracht?
Als Ablehnung gegen die Heiligenverehrung (Säkularisation) wollten die Protestanten am 6. Dezember, dem Todestag des heiligen Nikolaus, keine Geschenke mehr verteilen. Martin Luther schaffte daher um 1535 die Kinderbescherung durch den Heiligen Nikolaus ab, welcher bis dahin allein der Gabenbringer der Kinder war. In katholischen Gegenden hielt sich bis um 1900 jedoch der Brauch des 6. Dezembers, dann wechselten auch sie auf den 24. Dezember, den Weihnachtsabend.
(Übrigens bringen in Spanien die Geschenke tatsächlich noch die heiligen drei Könige.)
Des weiteren ersetzten die Protestanten allmählich das Christkind durch den Weihnachtsmann. Somit wurde quasi ein kompletter Rollentausch vollzogen.
Im „Deutschen Wörterbuch“ von 1820 wird der Weihnachtsmann bereits als Synonym für das Christkind genannt. In dieser Zeit verlor Nikolaus auch alle Attribute, die ihn als Bischof kennzeichneten: Messgewand oder Chormantel, Bischofsstab und Brustkreuz – und natürlich auch die Mitra. Er wurde auch äußerlich zu einem weltlichen Mann. Er erhielt nun einen langen Mantel – oft in braun-grün oder rot – und vor allem eine nach vorn geneigte Zipfelmütze. Die phrygische Mütze wird hier zum (verborgenen) letzten Kennzeichen für die Herkunft aus Kleinasien und die Zugehörigkeit zum priesterlichen Stand.
Dieser neue Typ, der säkularisierter Nikolaus, wird von dem Arzt Heinrich Hoffmann (1809-1894) in seinem selbst gezeichneten Bilderbuch „Struwwelpeter”, das 1845 erstmals gedruckt erschien, als Archetyp dargestellt. Der „Nikolas” von Hoffmann zeigt durch sein Handeln seine Wandlung: Als die Buben seiner Mahnung nicht folgen, wird er „bös und wild” und „er tunkt sie in die Tinte tief.” Interessanterweise sind es drei Jungen. Drei – die Symbolzahl des heiligen Nikolaus, der drei Feldherren (Stratelaten), drei Jungfrauen mit drei Goldklumpen und drei eingepökelte Studenten rettet. Während aber der Heilige vor Tod und Verderben rettet, übt der böse Nikolas Rache. In dieser säkularen Personifikation ist nicht mehr allein der heilige Bischof enthalten, sondern auch die strafende Teufelsfigur, die je nach Landschaft unterschiedliche Namen wie zum Beispiel Knecht Ruprecht trug.
Am Ende der Transformation standen die USA. Sie adoptierten den Namen, den holländischen Gründer New Amsterdams (des späteren New York) gebrauchten, änderten aber Sinterklaas in Santa Claus ab.
Heute ist der Weihnachtsmann die Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens. Über sein Äußeres gab es lange verschiedene Vorstellungen. Einmal war der Weihnachtsmann ein pummeliger, alter Kobold, ein anderes mal ein Mann mit tiefem Hut, Kniehose und Pfeife. Die Coca-Cola Company ließ 1931 für eine Werbekampagne den Weihnachtsmann zeichnen. Das Ergebnis: Ein rotbackiger, großväterlicher Mann mit roter Zipfelmütze und weißem Rauschebart. Genau dieser „Weihnachtsmann zum Anfassen“ schaffte es, sich in unseren Köpfen festzusetzen. Heute kennen die wenigsten noch den Weihnachtsmann im traditionellen grünen Gewand.

Eine weitere Transformation wurde in den kommunistischen Ländern, allen voran die UDSSR, versucht. Da der Staat ja atheistisch war, wurde der Heilige kurzer Hand in „Väterchen Frost“ umbenannt.

Der von manchen Zeitgenossen hochgeschätzte Gartenzwerg kann für sich in Anspruch nehmen, eine Mutation des säkularen Nikolaus darzustellen. Die Verzwergung des Heiligen zum Leitbild der Heile-Welt-Vorstellung „kleiner Leute” entstand erstmals um 1880 in Thüringen und wirkt bis heute nach.

Im Schwäbischen heißt der Nikolaus übrigens „Klôs“. In seiner Vermischung mit Knecht Ruprecht wird ihm am Klôsanobad (Nikolausabend) auf der Straße folgendes nach geschrien: „Klôs, Klôs, Kläpperfiedla, lommer au an Epfl liega!“

Der Ausdruck wird auch für einen schrulligen, tollpatschigen Menschen verwendet: „Wa ischt etz dees au fir en Klôs?“ und „Ihr send doch Klôsa!“

So machen Politik, Geschichte, Religion und Marketing aus einem vielschichtigen und teils uraltem Brauchtum eine perfekt inszenierte Weichnachtsshow in der ein alter grauer Mann in rotem Gewand den Kindern zu Weihnachten alle Wünsche erfüllt. Den Einzelhandel freuts.

Das Eigentliche was mit der Weihnachtszeit vermittelt werden sollte wie Beisinnlichkeit, mit anderen Teilen, etc. geht dabei absolut verloren. Aber das ist durchaus gewollt. Wer kennt heute noch genau die Geschichten um Sankt Martin, Sankt Nikolaus, die eigentliche Weihnachtsgeschichte oder gar die um die heiligen drei Könige?

Weihnachten – Ein Fest der Freude. Leider wird dabei zu wenig gelacht
(Jean-Paul Sartre)

Brauchtum:

Stiefel vor die Tür stellen
Grundlage hierfür war der Brauch des „Bischofsspieles“ in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag (zuerst am, Tag der „Unschuldigen Kindlein“ dann am Nikolaustag) als „Bischof“ fungieren durfte.
Eine andere Vermutung bezieht sich auf die Legende von den drei Mädchen und beschenkt sich deshalb in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember.
Legende:
Ein armer Mann plante seine drei Töchter als Prostituierte zu verkaufen, da er sie aus Mangel einer Mitgift nicht verheiraten konnte. Nikolaus erfuhr von dem Vorhaben und legte an drei auf einander folgenden Nächten je eine Kugel aus Gold auf das Fenstersims der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht aber ertappte ihn der Vater der drei und dankte ihm für die Gabe. Daher wird der Heilige immer mit drei Goldkugeln oder drei goldigen Äpfeln dargestellt.

Das „Goldene Buch“ des Nikolaus
In Deutschland ist es schon lange Brauch, dass die Kinder am Vorabend des 6. Dezembers, dem so genannten Nikolausabend, zum Nikolaus beten, für ihn singen oder ihm Gedichte vortragen, während sie ihren Nikolausteller oder Stiefel vor die Tür stellen. Sie wollen ihm damit zeigen, wie „brav“ sie doch sind, damit sie vom Nikolaus Geschenke und nicht vielleicht die Rute bekommen. Der Nikolaus ist nämlich nicht immer der gute Mann und Heilige. In seinem „Goldenen Buch“ stehen alle guten, aber leider auch sämtliche Missetaten der Kinder aus dem vergangenen Jahr. Und wenn es ein Kind gar zu toll getrieben hat, dann bekommt es statt Apfel, Nuss und Mandelkern die Rute oder zumindest eine saftige Strafpredigt zu hören. In den meisten Regionen verteilt die Hiebe jedoch nicht Nikolaus selbst, sondern sein Begleiter Knecht Ruprecht.

Der Weckmann
Der Weckmann wurde ursprünglich nur am Nikolaustag verzehrt, später auch am Martinstag und heute über die gesamte Adventszeit. Die Figur stellt einen Bischof mit einem tönernen Bischofsstab dar. Auch hier wurde durch die Säkularisation der Bischofsstab durch eine Tonpfeife ersetzt. Die Ähnlichkeit zeigt sich sobald man die Pfeife mit dem Pfeifenkopf nach oben dreht. Die Verwendung der Tonpfeifen stammt vermutlich aus der Hochzeit der Pfeifenbäckereien in Europa im 17. und 18. Jahrhundert.
Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte,
und kerzenhelle wird die Nacht.
(Theodor Storm)
In vorwiegend katholischen Regionen Deutschlands hat sich bis heute die Tradition gehalten, den Kindern zum Nikolaus einen Tonpfeifen-Weckmann aus Hefeteig zu schenken.
Regional hat er die unterschiedlichsten Namen: Stutenkerl in Niedersachsen, Westfalen und Mecklenburg; Stutenmann im Bergischen Land, im westlichen Ruhrgebiet Pumann; im nordbadisch-pfälzisch-südhessischen Raum heißt er Dampedei oder Hefekerl, in anderen Teilen Süddeutschlands Klausenmann oder Weckmann, benannt nach dem Wecken; In der Schweiz heißt das Gebäck Grittibänz oder nur Teigmännli, in Basel Grättimaa, im Thurgau Elggermaa; in der Gegend um Breisach nennt man ihn Baselmann, auf Schweizerdeutsch Grittibänz oder Grättimaa, in Elsaß Manala oder Männele.
In der osteuropäischen orthodoxen Liturgie hat sich dieser Brauch bis heute erhalten.
Weihnachtszeit! Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles!
(Rainer Maria Rilke)
Etwas „auf dem Kerbholz haben“
Früher haben die Kinder ihre guten Taten in ein so genanntes „Kerbholz“ eingeritzt, zum Beweis für den Nikolaus, wie lieb und gut sie waren. Dieses Kerbholz, sowie Futter für sein Reittier legten sie für den Nikolaus bereit – in der Hoffnung dafür reich beschenkt zu werden. Der Spruch „etwas auf dem Kerbholz haben“ stammt so höchstwahrscheinlich auch von diesem alten Nikolausbrauch.

Die Begleiter des heiligen Sankt Nikolaus
Begleiter gibt es unzählige, jedoch alle nicht historisch belegbar. Vermutlich entstanden sie aus dem alten heidnischen Glauben an Dämonen und Totengeister. Bei uns in Süddeutschland trifft man am häufigsten noch den Krampus an, in anderen Gegenden Deutschlands Knecht Ruprecht, Pelzmärte, Klaubauf, Hans Muff, Bullerklas oder Sünnerklas.

Die bekannteste dieser Gestalten ist Knecht Ruprecht, der häufig ein zottiges Gewand trägt. In Nikolaus und Knecht Ruprecht vereinigen sich demnach die guten und die bösen Mächte. Ihr gemeinsames Auftreten ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Knecht Ruprecht trägt eine Rute, mit der böse Kinder bestraft werden. In früheren Zeiten war der Streich mit der Rute allerdings keine Strafe sondern ein Segen, denn die Rute ist das lebendige Reis, dessen Berührung Fruchtbarkeit verspricht.

Bauernregel:
Regen auf Sankt Nikolaus, wird der Winter streng und graus.“



Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei, was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.
(Joachim Ringelnatz)

4 Kommentare

  1. Hallo Andre
    ich bin aus St. Gallen/CH, lebe aber seit fast 30 Jahren auf der griechischen Insel Ikaria. Ich habe das erste deutsprachige Ikaria-Portal gegründet auf http://www.ikaria.ch
    Ich bin nun bei meiner Reschersche für einen Artikel über St. Nikolaus durch google auf deinen blog und deinen superspannenden Artikel gestossen. Toll, dass es noch Leute gibt, die sich solch eine Mühe machen! Ich würde ihn gerne als spannende Lektüre bei mir verlinken, wenn du einverstanden bist.
    Herzliche Grüsse aus Ikaria/Griechenland
    Ursula Kastanias

    • André sagt:

      Hallo Ursula,
      freut mich wo mein kleines Blögle so gelesen wird.

      Sehr gerne darfst Du diesen Artikel von mir verlinken. Würde mich sehr freuen.

      Schönen Gruß aus dem verschneiten Stuttgart nach Ikaria
      André

      P.S. Schöne Seite die Du hast. Macht grad neugierig und Lust drauf. Mal im Auge behalten für nen Urlaub in 2013 😉

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