Das Stuttgarter Hutzelmännlein

Das Stuttgarter Hutzelmännlein ist ein Märchen von Eduard Mörike.
Es handelt von einem Schustergesellen der beschließt auf Wanderschaft zu gehen. Vor seiner Abreise erscheint der Schusterkobold, das Hutzelmännlein, und übergibt ihm einen nachwachsenden Laib Brot und zwei Paar Glücksschuhe, von denen er eines selbst tragen solle. Als Gegenleistung müsse der Schustergeselle ein besonderes „Klötzlein Blei“ mitbringen.

s’ leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura.
glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei.
Eduard Mörike, Stuttgarter Hutzelmännlein 

Auf der Reise ist allerdings des Gesellen Glück nie vollkommen, da er versehentlich die Schuhe der Glückspaare verwechselt hat. Am Ende trifft der Schustergeselle dann das Mädchen, das die anderen Schuhe trägt, und sie verloben sich.
Bei der Geschichte greift er die „Historie von der schönen Lau“ auf.

Scheeraschleifer, wetz, wetz, wetz,
Laß dei’ Rädle schnurra!
Stuagart ist a grauße Stadt,
Lauft a Gänsbach dura.
Eduard Mörike, Stuttgarter Hutzelmännlein 

Versteckt zwischen einem kleinen, wenigen Rest historischem Stuttgart, dem pulsierendem Herz Stuttgarts und einer Betonbausünde einer Bank, findet man am Eck ein Steinrelief des Stuttgarter Hutzelmännlein.
Um das Hutzelmännlein zu finden läuft man am besten vom Schillerplatz zum Fruchtkasten, dann rechts zwischen dem Fruchtkasten und der Bank bis an die Hausecke des Fruchtkastens entlang gehen.
Schon sieht man über seinem Kopf das Hutzelmännlein mit einem bekannten Spruch.
Übrigens steht in der Musikinstrumentensammlung im Fruchtkasten das von Eduard Mörike in Auftrag gegebene und in seiner Wohnung stehende Teetischklavier.

Eduard Friedrich Phillip Mörike:

Der Dichter, der auch Pfarrer war – so könnte man Eduard Mörikes Leben wohl am besten beschreiben.

Eduard Mörike wurde am 8. September 1804 als siebtes von dreizehn Kindern des Stadt- und Amtsarztes Karl Friedrich Mörike und seiner Frau Charlotte Dorothea in Ludwigsburg geboren.

Sein Vater starb als Mörike 13 war an einem Schlaganfall im September 1817 und Mörike wurde daraufhin von seinem Onkel, dem späteren Obertribunalpräsident Eberhard Friedrich von Georgii in Stuttgart aufgenommen. In Urach und Tübingen studierte er mehr schlecht als recht Theologie. In Tübingen zeichnete er sich wohl mehr durch Arreststrafen aus.

Mit seinem Liebesleben hatte Mörike nie so richtig Glück. 1823 lernte er die geheimnisvolle Maria Meyer, ohnmächtig auf einer Ludwigsburger Straße liegend, kennen. Sie soll sehr reizvoll ausgesehen haben und soll Mörike in eine große Sinnkriese gestoßen haben. Im Juli 1824 ‚floh’ Mörike vor Maria Meyer vorübergehend zur Familie nach Stuttgart. Sie versuchte 1826 Mörike erneut, diesmal in Tübingen, zu treffen. Seltsamer weise wieder ohnmächtig auf einer Straße vor der Stadtgrenze (Erst 1923 wurde herausgefunden, daß Maria Meyer im Gefolge der pietistischen Schwärmerin Juliane von Krüdener weite Teile von Europa bereist hatte und aus Schaffhausen stammte).

Ebenfalls im Jahre 1826 schloß Mörike sein Theologiestudium mit Examen ab. Darauf folgte seine achtjährige Vikariatszeit, die von Mörike selbst als „Vikariatsknechtschaft“ bezeichnet wurde. Es waren Jahre der Unzufriedenheit.

1828 war Mörike kurz mit Luise Rau zusammen. Mit der Pfarrerstochter gab es kurz hintereinander eine Ver- und Entlobung.
Im selben Jahr ließ er sich vom Pfarrdienst beurlauben und unternahm einen Versuch als freier Schriftsteller in Stuttgart, als novellistischer Mitarbeiter der Damen-Zeitung, zu leben. Dies misslang.

1829 kehrte er wieder in den Pfarrersdienst zurück.

1831 wurde Mörikes Bruder  zu einem Jahr Festungshaft auf dem Hohenasperg verurteilt.

Am 26. April 1841 starb Mörikes Mutter. Sie wurde neben dem Grab von Schillers Mutter beigesetzt.

Mit 39 Jahren wurde Mörike 1843 „wegen dauernder Krankheitsumstände“ pensioniert.

In Bad Mergentheim lernte er 1844 die 26 Jährige Margarethe Speeth kennen, die er 1851 heiratete.

Die Ehe, der zwei Töchter (Fanny,1855 und Marie, 1857) entsprangen, war wenig glücklich. Es kam zu Streitereien zwischen Margarethe und der Schwester Klara, die weiterhin im Haus lebte. Mörike zog 1851 mit seiner Frau Margarethe und seiner Schwester Klara (Klärchen) wieder nach Stuttgart. Er besserte seine Rente durch Unterrichtsstunden, die sogenannten „Fräuleinslektionen“, am Katharinenstift auf. In Stuttgart entstanden auch seine letzten Werke (1852 Das Stuttgarter Hutzelmännlein, 1853 Die Hand der Jezerte und 1855 Mozart auf der Reise nach Prag).

1852 bekam er von der Universität Tübingen die Ehrendoktorwürde verliehen.

Seine letzten Jahre waren oft aus Ersparnisgründen geprägt von häufigen Wohnungswechseln. So lebte er ab 1867 in Lorch, kehrte 1869 nach Stuttgart zurück, um schon 1870 wieder nach Nürtingen umzusiedeln; 1871 schließlich erfolgte die endgültige Rückkehr nach Stuttgart.

Die Lehrverpflichtungen am Katharinenstift waren längst zur drückenden Last Mörikes geworden. Daher bat er im Alter von 62 Jahren (im November 1866) um Entlassung und wurde dann in allen Ehren und unter Weiterbezahlung des vollen Gehalts verabschiedet.

1873 trennte sich das Ehepaar Mörike nach 22 Jahren. Er verließ mit Tochter Marie und seiner Schwester Klara die gemeinsame Wohnung; die Tochter Fanny blieb bei der Mutter.

Wer keinen Humor hat, sollte eigentlich nicht heiraten.
Eduard Mörike 

In Mörikes letzten Lebensjahren reiste er nochmals viel herum. Er pflegte Freundschaften durch Aufenthalte bei Bekannten oder Verwandten.

Im Frühjahr 1875 wurde Mörike im Alter von 71 Jahren bettlägerig. Seine Schwester Klärchen war es, die Mörikes schwere Krankheit überwachte. Auf Wunsch Mörikes ließ sie auch seine Frau Margarethe ans Krankenbett rufen, um sich wieder mit ihr zu versöhnen.

Am 4. Juni 1875 verschickte die Schwester Klara dann folgende Worte:
Diesen Morgen um acht Uhr verschied sanft, fast unmerklich, aber nach qualvollen Schmerzen, die die ganze Nacht andauerten, unser geliebter Eduard. …

In Stuttgart wohnte Mörike mit Unterbrechungen in 9 verschiedenen Wohnungen. Sein Sterbehaus, Moserstraße 22, wurde im Krieg 1944 zerrstört.

Im Park
Sieh, der Kastanie kindliches Laub hängt noch wie der feuchte
Flügel des Papillons, wenn er die Hülle verließ;
Aber in laulicher Nacht der kürzeste Regen entfaltet
Leise die Fächer und deckt schnelle den luftigen Gang.
– Du magst eilen, o himmlischer Frühling oder verweilen,
Immer dem trunkenen Sinn fliehst du, ein Wunder, vorbei.
Eduard Mörike

Eduard Mörike in Stuttgart:
– Teetischklavier, speziell für Mörike gebaut (Musiksammlung im Fruchtkasten Stuttgart)
– Mörikestraße
– Mörike Gymnasium
– Mörike Marmorbüste (Silberburganlage, gegenüber Silberburgstraße 193)
– Mörike Grab auf dem Pragfriedhof (Parzelle 10)
– Stuttgarter Hutzelbrot

Stuttgarter Hutzelbrot:

Zutaten: 150 g Roggen, 150 g Dinkel, 6 Eier,1 Päckchen Weinsteinbackpulver, 250 g Vollrohrzucker, Mark von zwei Vanilleschoten, je 200 g getrocknete Birnen (= Hutzeln!!), Zwetschgen und Feigen, 50 g getrocknete, ungeschwefelte Aprikosen,100 g Rosinen, Anis, Zimt, Nelken, 2 El frisch gepresster Zitronensaft, 500 g gehackte Mandeln

Zubereitung: Die getrockneten Birnen, Zwetschgen und Feigen über Nacht in Wasser einweichen. Das Obst abtropfen lassen und grob zerkleinern. Getrocknete Aprikosen fein würfeln. Das gesamte Obst mit Rosinen und Mandeln in eine Schüssel geben, mit Anis, Zimt und Nelken würzen, mit Zitronensaft beträufeln und gut vermengen. Roggen und Dinkel mahlen. Die Eier mit dem Zucker schaumig schlagen. Mark der Vanilleschoten und die Früchte-Nuss-Mischung hinzufügen. Zuletzt das mit dem Backpulver vermengte und Mehl nach und nach unterkneten. Den Teig zu zwei Brotlaiben formen. Auf ein gefettetes oder mit Backpapier belegtes Backblech geben. Bei 180°C 70-80 Minuten backen. Danach auf einem Rost abkühlen lassen.

Es geht die Sage: Wenn man einen Kanten davon übrigläßt, wächst er nach and man wird nie hungern.

Ein Kommentar

  1. Andrea Nicht-Roth sagt:

    Das war mal eine schöne Frühstückslektüre heute morgen! Vielen Dank! Als ich meinen Kindern damals das Hutzelmännlein vorgelesen habe, sind wir anschließend nach Blaubeuren an den Blautopf zur schönen Lau gefahren und haben auf der ganzen Hinfahrt den ZUngenbrecher „s’leit an Klötzle Blei…“ geübt. Schöne Erinnerung 🙂

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