Tag X – Sie kamen in der Nacht

Nachdem ich nun die Geschehnisse etwas sacken lassen habe, möchte ich heute ein paar Bilder und ein paar Eindrücke und Gedanken los werden.

Ich denke viel zu dem eigentlichen Vorgang muß ich nicht dazu schreiben.
Der Polizeieinsatz war relativ gut vorbereitet und verlief auch im Großen und Ganzen recht ordentlich. Lediglich beim Beginn des Einsatzes hätte die Polizei flexibel auf die Blockade der vorbereiteten GWM-Ausgänge handeln und vielleicht nicht direkt mit den Schlagstöcken das Durchkommen erreichen versuchen sollen.

Die Polizei war schlicht mit rund 1500 aktiven Parkschützern überfordert!
Das die Polizei allerdings die Menge der Parkschützer gewaltig unterschätzt hatte ist gewiss. Die Einsatzhundertschaften waren überfordert von der Zahl an wegzutragenden Parkschützern. Versuchte man anfänglich jeden Einzeln mit 4 Mann wegzutragen, sah man schnell das man so der Lage nicht herr wurde. Da brachten auch die x-ten Durchsagen nichts, daß eine nicht freiwillige Räumung jeden Einzelnen etwas kosten würde. (Nicht immer ist das für Schwaben ein Argument Herr Züfle!). Es wurden einfach nicht weniger. Irgendwann wurde sogar auf das Erheben der Personalien verzichtet da die Polizei sonst gar kein Land mehr gesehen hätte.
Züfle und sein Planungsstab gingen wohl wie angekündigt von maximal 1000 Demonstranten aus, wovon nach ihren Rechnungen wahrscheinlich gut 2/3 vor und während den Warnungen der bevorstehenden Räumung gegangen sein sollten.
Da hatten sie nur die Rechnung ohne den Wirt gemacht!
Der Park füllte sich ab Mittwoch Mittag stündlich. Im ganzen Mittleren Schloßgarten versammelten sich kleinere und größere Gruppen.
Als Abends dann noch die Teilnehmer der Sternmärsche dazu kamen wurde die Rechnung der Polizei kräftig über den Haufen geworfen.
So konnte schlußendlich der Park nicht wie geplant Donnerstag Vormittag/Mittag der Bahn übergeben werden, sonder es dauerte noch weit in den Nachmittag hinein bis die letzten Parkschützer aus dem Park gebracht wurden.

Herzlichen Dank an jeden einzelnen Parkschützer der bei der Schloßgartenräumung dabei war und es der Polizei ein Stückchen schwerer gemacht hat den Willen der Bahn durchzusetzen!

Der sogenannte „Befürworter“ von Stuttgart 21, genauso wie die Bahn und die Landesregierung freuen sich nun das mit der Rodung des Mittleren Schloßgartens auch der Widerstand „geschreddert“ wurde.
Wer allerdings ernsthaft glaubt mit der Vernichtung des Mittleren Schloßgartens sei nun der Widerstand vorbei, der hat sich gewaltig getäuscht!
Ja, ein zentrales Anliegen war es den Mittleren Schloßgarten zu erhalten, aber nur weil ihn die Bahn nun einebnen ließ ist das Milliardengrab Stuttgart 21 längst nicht sinnvoller geworden! Im Gegenteil! Nun ist der Widerstand quasi nicht mehr erpressbar!

Es bleibt weiterhin spannend!

Heute ging ich einmal kurz in die Stadt um das Ergebnis zu sehen.
Echt schlimm! Richtig schlimm wird es noch, wenn man dem sogenannten „Projektsprecher“ hört wie er ganz gut gelaunt verkündet das dort im ehemaligen Mittleren Schloßgarten vor Herbst sowieso nicht gebaut werden wird.

Wieder einmal sehr schön hat Zwuckelmann das Erlebte in seinem Blog beschrieben: http://zwuckelmann.posterous.com/15022012-s21-stuttgart-wird-eine-andere-stadt
Viele Bilder und Videos sind im Blog von Bodenfrost zusammengetragen: http://bodenfrost.wordpress.com/2012/02/17/schlossgarten-verteidigung-und-fall/

Update 19.02.2012:
Habe eben mal die Fotomontage von Klaus Gebhard einem aktuellen Foto von Alexander Schäfer gegenübergestellt.
Erschreckend wie nah unsere Befürchtungen doch die Realität tatsächlich  wiederspiegeln.

6 Kommentare

  1. NocturnalRebel sagt:

    Danke für Deinen Bericht!
    Wie ja mittlerweile bekannt ist betrachte ich das ja alles genauer ;-).
    Dein Bericht deckt sich weitestgehend mit Didi´s Erzählungen. Somit kann ich davon ausgehen, das dieses die richtige Version ist.
    Es waren ja auch von dieser Räumung schon wieder die abenteuerlichsten Geschichten im Umlauf.

    Finde es spitze von Euch, das ihr die ganze Nacht vor Ort wart und Präsenz gezeigt habt! Hut Ab.
    Und auch Danke für die Bilder, sag mal hatten die Polizisten Knicklichter um? Oder was ist das grün Leuchtende?

    Und eine Sache noch, ich sehe auch bei Dir nun einen Baum in einer Rundspatenmaschine. Insgesamt komm ich so auf mind. 5-10 unterschiedliche Bäume in z.T. verschiedenen RSM´s. Warum liest man aber überall (Twitter, Facebook, PS) das angeblich keine Bäume vepflanzt wurden? Wi siehst Du das?

    Grüssle
    Matze aka Rebel

    • André sagt:

      Hallole!
      Ja die Trupps hatten knicklichter um damit sie eindeutig zu unterscheiden waren. Die einzelnen Trupps wurden im Laufe der Nacht durch Truppführer mit blauen Leuchtkegeln auf der Taqschenlampe durchs (fremde) Gelände geleitet.
      Heute habe ich drei Rundspatenmaschinen gesehen (Grün, Orange und Schwarz). Allerdings wurden/werden halt die kleinsten Bäumchen verpflanzt. PR-Technisch aber egal weil die Presse sowieso nur schreibt „x Bäume wurden versetzt“ und keinen Unterschied zwischen wertvollen uralten und jungen Bäumen macht.

      • NocturnalRebel sagt:

        Danke für die Promte Beantwortung ;-)!

        Ja, ok, gross sind die Bäume die verpflanzt wurden alle nicht, das stimmt, aber trotzdem ist es dann falsch wieder zu behaupten es würden keine verpflanzt, denn das widerlegen diverse Geallerien. Somit machen sich diejenigen, die das verneinen eher lächerlich. Und sowas schadet dem Widerstand dann leider.

        Und nun konzentrieren wir uns auf die Fildern? oder meinst im Kessel gibt es noch möglichkeiten?

  2. […] “Tag X – Sie kamen in der Nacht” – Andrés Blögle […]

  3. […] hat einen sehenswerten Vorher – Nachher-Vergleich ins Web gestellt. André Dietenberger berichtet mit Text und Bildern über die Räumungs-Nacht, Zwuckelmann ebenfalls sehr […]

  4. […] Sie kamen in der Nacht… […]

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