{"id":941,"date":"2012-04-02T08:00:26","date_gmt":"2012-04-02T06:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/dietenberger.de\/blog\/?p=941"},"modified":"2012-04-02T20:35:09","modified_gmt":"2012-04-02T18:35:09","slug":"das-stuttgarter-hutzelmannlein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2012\/04\/02\/das-stuttgarter-hutzelmannlein\/","title":{"rendered":"Das Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein"},"content":{"rendered":"<p>ngg_shortcode_0_placeholderDas <a href=\"http:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Das_Stuttgarter_Hutzelm%C3%A4nnlein\" target=\"_blank\">Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein<\/a> ist\u00a0ein M\u00e4rchen von Eduard M\u00f6rike.<br \/>\nEs handelt von einem Schustergesellen der beschlie\u00dft auf Wanderschaft zu gehen. Vor seiner Abreise erscheint der Schusterkobold, das Hutzelm\u00e4nnlein, und \u00fcbergibt ihm einen nachwachsenden Laib Brot und zwei Paar Gl\u00fccksschuhe, von denen er eines selbst tragen solle. Als Gegenleistung m\u00fcsse der Schustergeselle ein besonderes &#8222;Kl\u00f6tzlein Blei&#8220; mitbringen.<\/p>\n<blockquote><p>s\u2019 leit a Kl\u00f6tzle Blei glei bei Blaubeura.<br \/>\nglei bei Blaubeura leit a Kl\u00f6tzle Blei.<br \/>\n<strong>Eduard M\u00f6rike, Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein\u00a0<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Auf der Reise ist allerdings des Gesellen Gl\u00fcck nie vollkommen, da er versehentlich die Schuhe der Gl\u00fcckspaare verwechselt hat. Am Ende trifft der Schustergeselle dann das M\u00e4dchen, das die anderen Schuhe tr\u00e4gt, und sie verloben sich.<br \/>\nBei der Geschichte greift er die \u201eHistorie von der sch\u00f6nen Lau\u201c auf.<\/p>\n<blockquote><p>Scheeraschleifer, wetz, wetz, wetz,<br \/>\nLa\u00df dei\u2019 R\u00e4dle schnurra!<br \/>\nStuagart ist a grau\u00dfe Stadt,<br \/>\nLauft a G\u00e4nsbach dura.<br \/>\n<strong>Eduard M\u00f6rike, Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein\u00a0<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderVersteckt zwischen einem kleinen, wenigen Rest historischem Stuttgart, dem pulsierendem Herz Stuttgarts und einer Betonbaus\u00fcnde einer Bank, findet man am Eck ein Steinrelief des Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein.<br \/>\nUm das Hutzelm\u00e4nnlein zu finden l\u00e4uft man am besten vom Schillerplatz zum Fruchtkasten, dann rechts zwischen dem Fruchtkasten und der Bank bis an die Hausecke des Fruchtkastens entlang gehen.<br \/>\nSchon sieht man \u00fcber seinem Kopf das Hutzelm\u00e4nnlein mit einem bekannten Spruch.<br \/>\n\u00dcbrigens steht in der <a href=\"http:\/\/www.landesmuseum-stuttgart.de\/de\/museum\/sammlungen\/kunstgeschichte\/musikinstrumente.htm\" target=\"_blank\">Musikinstrumentensammlung im Fruchtkasten<\/a> das von Eduard M\u00f6rike in Auftrag gegebene und in seiner Wohnung stehende Teetischklavier.<\/p>\n<p><strong>Eduard Friedrich Phillip M\u00f6rike:<\/strong><br \/>\nngg_shortcode_2_placeholderDer Dichter, der auch Pfarrer war \u2013 so k\u00f6nnte man Eduard M\u00f6rikes Leben wohl am besten beschreiben.<\/p>\n<p>Eduard M\u00f6rike wurde am 8. September 1804 als siebtes von dreizehn Kindern des Stadt- und Amtsarztes Karl Friedrich M\u00f6rike und seiner Frau Charlotte Dorothea in Ludwigsburg geboren.<\/p>\n<p>Sein Vater starb als M\u00f6rike 13 war an einem Schlaganfall im September 1817 und M\u00f6rike wurde daraufhin von seinem Onkel, dem sp\u00e4teren Obertribunalpr\u00e4sident Eberhard Friedrich von Georgii in Stuttgart aufgenommen. In Urach und T\u00fcbingen studierte er mehr schlecht als recht Theologie. In T\u00fcbingen zeichnete er sich wohl mehr durch Arreststrafen aus.<\/p>\n<p>Mit seinem Liebesleben hatte M\u00f6rike nie so richtig Gl\u00fcck. 1823 lernte er die geheimnisvolle Maria Meyer, ohnm\u00e4chtig auf einer Ludwigsburger Stra\u00dfe liegend, kennen. Sie soll sehr reizvoll ausgesehen haben und soll M\u00f6rike in eine gro\u00dfe Sinnkriese gesto\u00dfen haben. Im Juli 1824 \u201afloh\u2019 M\u00f6rike vor Maria Meyer vor\u00fcbergehend zur Familie nach Stuttgart. Sie versuchte 1826 M\u00f6rike erneut, diesmal in T\u00fcbingen, zu treffen. Seltsamer weise wieder ohnm\u00e4chtig auf einer Stra\u00dfe vor der Stadtgrenze (Erst 1923 wurde herausgefunden, da\u00df Maria Meyer im Gefolge der pietistischen Schw\u00e4rmerin Juliane von Kr\u00fcdener weite Teile von Europa bereist hatte und aus Schaffhausen stammte).<\/p>\n<p>Ebenfalls im Jahre 1826 schlo\u00df M\u00f6rike sein Theologiestudium mit Examen ab. Darauf folgte seine achtj\u00e4hrige Vikariatszeit, die von M\u00f6rike selbst als &#8222;Vikariatsknechtschaft&#8220; bezeichnet wurde. Es waren Jahre der Unzufriedenheit.<\/p>\n<p>1828 war M\u00f6rike kurz mit Luise Rau zusammen. Mit der Pfarrerstochter gab es kurz hintereinander eine Ver- und Entlobung.<br \/>\nIm selben Jahr lie\u00df er sich vom Pfarrdienst beurlauben und unternahm einen Versuch als freier Schriftsteller in Stuttgart, als novellistischer Mitarbeiter der Damen-Zeitung, zu leben. Dies misslang.<\/p>\n<p>1829 kehrte er wieder in den Pfarrersdienst zur\u00fcck.<\/p>\n<p>1831 wurde M\u00f6rikes Bruder\u00a0 zu einem Jahr Festungshaft auf dem Hohenasperg verurteilt.<\/p>\n<p>Am 26. April 1841 starb M\u00f6rikes Mutter. Sie wurde neben dem Grab von Schillers Mutter beigesetzt.<\/p>\n<p>Mit 39 Jahren wurde M\u00f6rike 1843 &#8222;wegen dauernder Krankheitsumst\u00e4nde&#8220; pensioniert.<\/p>\n<p>In Bad Mergentheim lernte er 1844 die 26 J\u00e4hrige Margarethe Speeth kennen, die er 1851 heiratete. ngg_shortcode_3_placeholderDie Ehe, der zwei T\u00f6chter (Fanny,1855 und Marie, 1857) entsprangen, war wenig gl\u00fccklich. Es kam zu Streitereien zwischen Margarethe und der Schwester Klara, die weiterhin im Haus lebte. M\u00f6rike zog 1851 mit seiner Frau Margarethe und seiner Schwester Klara (Kl\u00e4rchen) wieder nach Stuttgart. Er besserte seine Rente durch Unterrichtsstunden, die sogenannten &#8222;Fr\u00e4uleinslektionen&#8220;, am Katharinenstift auf. In Stuttgart entstanden auch seine letzten Werke (1852 Das Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein, 1853 Die Hand der Jezerte und 1855 Mozart auf der Reise nach Prag).<\/p>\n<p>1852 bekam er von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen die Ehrendoktorw\u00fcrde verliehen.<\/p>\n<p>Seine letzten Jahre waren oft aus Ersparnisgr\u00fcnden gepr\u00e4gt von h\u00e4ufigen Wohnungswechseln. So lebte er ab 1867 in Lorch, kehrte 1869 nach Stuttgart zur\u00fcck, um schon 1870 wieder nach N\u00fcrtingen umzusiedeln; 1871 schlie\u00dflich erfolgte die endg\u00fcltige R\u00fcckkehr nach Stuttgart.<\/p>\n<p>Die Lehrverpflichtungen am Katharinenstift waren l\u00e4ngst zur dr\u00fcckenden Last M\u00f6rikes geworden. Daher bat er im Alter von 62 Jahren (im November 1866) um Entlassung und wurde dann in allen Ehren und unter Weiterbezahlung des vollen Gehalts verabschiedet.<\/p>\n<p>1873 trennte sich das Ehepaar M\u00f6rike nach 22 Jahren. Er verlie\u00df mit Tochter Marie und seiner Schwester Klara die gemeinsame Wohnung; die Tochter Fanny blieb bei der Mutter.<\/p>\n<blockquote><p>Wer keinen Humor hat, sollte eigentlich nicht heiraten.<br \/>\n<strong>Eduard M\u00f6rike\u00a0<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>In M\u00f6rikes letzten Lebensjahren reiste er nochmals viel herum. Er pflegte Freundschaften durch Aufenthalte bei Bekannten oder Verwandten.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1875 wurde M\u00f6rike im Alter von 71 Jahren bettl\u00e4gerig. Seine Schwester Kl\u00e4rchen war es, die M\u00f6rikes schwere Krankheit \u00fcberwachte. Auf Wunsch M\u00f6rikes lie\u00df sie auch seine Frau Margarethe ans Krankenbett rufen, um sich wieder mit ihr zu vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_4_placeholderAm 4. Juni 1875 verschickte die Schwester Klara dann folgende Worte:<br \/>\n&#8222;<em>Diesen Morgen um acht Uhr verschied sanft, fast unmerklich, aber nach qualvollen Schmerzen, die die ganze Nacht andauerten, unser geliebter Eduard. \u2026<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>In Stuttgart wohnte M\u00f6rike mit Unterbrechungen in 9 verschiedenen Wohnungen. Sein Sterbehaus, Moserstra\u00dfe 22, wurde im Krieg 1944 zerrst\u00f6rt.<\/p>\n<blockquote><p>Im Park<br \/>\nSieh, der Kastanie kindliches Laub h\u00e4ngt noch wie der feuchte<br \/>\nFl\u00fcgel des Papillons, wenn er die H\u00fclle verlie\u00df;<br \/>\nAber in laulicher Nacht der k\u00fcrzeste Regen entfaltet<br \/>\nLeise die F\u00e4cher und deckt schnelle den luftigen Gang.<br \/>\n&#8211; Du magst eilen, o himmlischer Fr\u00fchling oder verweilen,<br \/>\nImmer dem trunkenen Sinn fliehst du, ein Wunder, vorbei.<br \/>\n<strong>Eduard M\u00f6rike<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Eduard M\u00f6rike in Stuttgart:<\/strong><br \/>\n&#8211; Teetischklavier, speziell f\u00fcr M\u00f6rike gebaut (Musiksammlung im Fruchtkasten Stuttgart)<br \/>\n&#8211; M\u00f6rikestra\u00dfe<br \/>\n&#8211; M\u00f6rike Gymnasium<br \/>\n&#8211; M\u00f6rike Marmorb\u00fcste (Silberburganlage, gegen\u00fcber Silberburgstra\u00dfe 193)<br \/>\n&#8211; M\u00f6rike Grab auf dem Pragfriedhof (Parzelle 10)<br \/>\n&#8211; Stuttgarter Hutzelbrot<\/p>\n<p><strong>Stuttgarter Hutzelbrot:<\/strong><br \/>\nngg_shortcode_5_placeholderZutaten: 150 g Roggen, 150 g Dinkel, 6 Eier,1 P\u00e4ckchen Weinsteinbackpulver, 250 g Vollrohrzucker, Mark von zwei Vanilleschoten, je 200 g getrocknete Birnen (= Hutzeln!!), Zwetschgen und Feigen, 50 g getrocknete, ungeschwefelte Aprikosen,100 g Rosinen, Anis, Zimt, Nelken, 2 El frisch gepresster Zitronensaft, 500 g gehackte Mandeln<\/p>\n<p>Zubereitung: Die getrockneten Birnen, Zwetschgen und Feigen \u00fcber Nacht in Wasser einweichen. Das Obst abtropfen lassen und grob zerkleinern. Getrocknete Aprikosen fein w\u00fcrfeln. Das gesamte Obst mit Rosinen und Mandeln in eine Sch\u00fcssel geben, mit Anis, Zimt und Nelken w\u00fcrzen, mit Zitronensaft betr\u00e4ufeln und gut vermengen. Roggen und Dinkel mahlen. Die Eier mit dem Zucker schaumig schlagen. Mark der Vanilleschoten und die Fr\u00fcchte-Nuss-Mischung hinzuf\u00fcgen. Zuletzt das mit dem Backpulver vermengte und Mehl nach und nach unterkneten. Den Teig zu zwei Brotlaiben formen. Auf ein gefettetes oder mit Backpapier belegtes Backblech geben. Bei 180\u00b0C 70-80 Minuten backen. Danach auf einem Rost abk\u00fchlen lassen.<\/p>\n<p>Es geht die Sage: Wenn man einen Kanten davon \u00fcbrigl\u00e4\u00dft, w\u00e4chst er nach and man wird nie hungern.<\/p>\nngg_shortcode_6_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Stuttgarter Hutzelm\u00e4nnlein ist\u00a0ein M\u00e4rchen von Eduard M\u00f6rike. Es handelt von einem Schustergesellen der beschlie\u00dft auf Wanderschaft zu gehen. Vor seiner Abreise erscheint der Schusterkobold, das Hutzelm\u00e4nnlein, und \u00fcbergibt ihm einen nachwachsenden Laib Brot und zwei Paar Gl\u00fccksschuhe, von denen er eines selbst tragen solle. Als Gegenleistung m\u00fcsse der Schustergeselle ein besonderes &#8222;Kl\u00f6tzlein Blei&#8220; mitbringen. 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