{"id":560,"date":"2012-01-15T14:44:15","date_gmt":"2012-01-15T13:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/dietenberger.de\/blog\/?p=560"},"modified":"2012-01-16T09:52:23","modified_gmt":"2012-01-16T08:52:23","slug":"d-day-stuttgart-teil-1-verlief-ruhig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2012\/01\/15\/d-day-stuttgart-teil-1-verlief-ruhig\/","title":{"rendered":"&#8222;D-Day&#8220;-Stuttgart &#8211; Teil 1 verlief ruhig"},"content":{"rendered":"<p>Seit meinem letzten Artikel <a href=\"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2011\/12\/22\/stadt-stuttgart-verhangt-erste-no-go-area\/#more-527\">Stadt Stuttgart verh\u00e4ngt erste \u201cNo-Go-Area\u201d<\/a> ist viel passiert. Der Widerstand gegen das millliardengrab Stuttgart 21 ist wieder aus seiner kurzfristigen Erstarrung nach der sogenannten Volksabstimmung erwacht und mit neuer St\u00e4rke pr\u00e4sent!<br \/>\nKurzfristig wurde den <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.auszug-aus-dem-h7-das-h7-wird-vorzeitig-geraeumt.3a8d75de-ace0-43da-80e3-adbb26c9d1bf.html\" target=\"_blank\">Mietern in der ehemaligen Eisenbahndirektion<\/a> gek\u00fcndigt.<br \/>\nDie Polizei und die Deutsche Bahn AG mu\u00dften ihre Pl\u00e4ne S\u00fcdfl\u00fcgel und Park in einem Aufwisch zu erobern ad acta legen. Zum einen wegen des VGH-Urteiles das die <a href=\"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2011\/12\/16\/vgh-grundwassermanagement-ist-rechtswidrig\/\">Rechtswidrigkeit des GWMs<\/a> best\u00e4tigte und zum anderen wurde es der Polizeif\u00fchrung zu hei\u00df (<a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.interview-mit-polizeipraesident-thomas-zuefle-wir-sind-kummer-gewohnt.3f45bc96-a420-4fea-b647-bc8af146bef6.html\" target=\"_blank\">StZ-Interview Z\u00fcfle<\/a>) eine Baustelle zu sch\u00fctzen die rechtlich nicht genehmigt ist da immer noch vom Eisenbahnbundesamt (Eba) das F\u00e4llverbot gilt das es am 5. Oktober 2010 verh\u00e4ngt hatte.<\/p>\n<p><!--more-->So entschied man sich also ein &#8222;D-Day&#8220;-Light zu machen und im ersten Schritt nur den S\u00fcdfl\u00fcgel abzusperren und den Park erst nach rechtlicher Kl\u00e4rung in Angriff zu nehmen. Dabei dr\u00e4ngt aber die Zeit wegen der bald beginnenden Vegetationsperiode.<\/p>\n<p>Es war klar das bei diesem Einsatz der Polizei absolut kein noch so kleiner Fehler unterlaufen d\u00fcrfe. Bei der kleinsten Panne w\u00e4hrend des Einsatzes w\u00fcrde dieser sofort mit dem Schwarzen Donnerstag in Verbindung gebracht werden. Dies galt es mit aller Kraft zu unterbinden.<br \/>\nngg_shortcode_0_placeholderSo wurde also noch im Dezember 2011 begonnen umzuplanen. Man wollte jede nur denkbare Eventualit\u00e4t von vornherein ausschlie\u00dfen. So wurde am \u00dcbergang vom Bahnhofsturm zum Dach des S\u00fcdfl\u00fcgels beispielsweise Nato-Draht gelegt um ein Entern des Daches Seitens der Gegner zu erschweren. Das ganze Bahnhofsgel\u00e4nde, als auch Grundwassermanagement und Park wurde nun offiziell <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.baustelle-fuer-stuttgart-21-polizei-startet-videoueberwachung.8d1dce03-4062-4bc4-87df-61c609646df9.html\" target=\"_blank\">polizeilich Video\u00fcberwacht<\/a>. ngg_shortcode_1_placeholder\u00dcber Wochen wurden immer mehr Einsatzkr\u00e4fte der zust\u00e4ndigen Bundespolizei (weil Bahngel\u00e4nde) &#8222;unmerklich&#8220; in die Umgebung Stuttgarts zusammen gezogen. Die sichtbare Polizeipr\u00e4senz am Bahnhof wurde auch erh\u00f6ht um klar zu machen das der S\u00fcdfl\u00fcgel nicht von den Gegnern zu besetzen sei. Daf\u00fcr wurden auch Mannschaften in den S\u00fcdfl\u00fcgel sowie in das Geb\u00e4ude neben dem Stellwerk an Gleis 16 verlegt. ngg_shortcode_2_placeholder<br \/>\nAls Planungszentrum, K\u00fcche und weiteres Aufenthaltsquartier wurde das alte, seit Jahren leer stehende, Geb\u00e4ude des Milchhofs wieder aktiviert. Hier wurde der Einsatz der Bundespolizei geplant und koordiniert sowie die Verpflegung organisiert.<\/p>\n<p>Alles in allem hat man versucht m\u00f6glichst unauff\u00e4llig und ohne Hektik den gesamten Einsatz minuti\u00f6s vorzubereiten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich blieb das so &#8222;unauff\u00e4llige&#8220; Aufr\u00fcsten der Polizei den Gegnern nicht verborgen. Im Gegenteil, sie waren eigentlich zu jedem Zeitpunkt ziemlich gut \u00fcber die Lage und die Mannschaften informiert. Die einzig gro\u00dfe Unbekannte war ab welchem Zeitpunkt f\u00fcr die Polizei ihre Vorbereitungen als ausreichend eingesch\u00e4tzt w\u00fcrden.<br \/>\nEin Donnerstag kam eigentlich nicht in Frage da man unbedingt die Verbindung zum Schwarzen Donnerstag vermeiden wollte.<br \/>\nDa aber die Vorbereitungen nahezu fertig waren und die Gegner schon zu gut \u00fcber die Lage informiert waren mu\u00dfte man notgedrungen den Einsatz auf den Freitag den 13. legen. Dies war f\u00fcr die Polizeistrategen wohl das kleinere \u00dcbel zwischen Schwarzer Donnerstag 2 und einem Wochenende, an dem vermutlich noch viel mehr Gegner bei einer Polizeiaktion zu erwarten gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>So kam es dann tats\u00e4chlich das schon im Laufe des Donnerstages immer mehr Einheiten in die City verlegt wurden, man hektisches Treiben und kleine Besprechungen im und am Bahnhof bei der Polizei beobachten konnte. Auch lagen den Gegnern Informationen \u00fcber einen Einsatzbefehl f\u00fcr die Nacht von Donnerstag auf Freitag, zwischen 3 und 5 Uhr vor.<br \/>\nAn diesem Tag bereiteten sich also Polizei und Gegner jeweils auf ihre Weise vor. W\u00e4hrend die Polizei im Milchhof ihre Feldk\u00fcchen anheizte feierten immer mehr Gegner am S\u00fcdfl\u00fcgel ein tolles Fest zu Ehren des S\u00fcdfl\u00fcgels.<\/p>\n<p>Das der Polizeipr\u00e4sident Z\u00fcfle Kriegserfahren ist, sah man dann in der Ausf\u00fchrung des Einsatzes. Die Presse mu\u00dfte sich im Vorfeld um einen Platz auf &#8222;dem Schlachtfeld&#8220; bewerben. Grunds\u00e4tzlich durften dies aber nur Medienvertreter der Landespressekonferenz, also nat\u00fcrlich nicht Fl\u00fcgelTV oder cams21. <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/01-09\/042.php\" target=\"_blank\">\u00bbEmbedded journalists\u00ab <\/a>nennt man dies in Kriegsgebieten.<br \/>\nDer Einsatz begann ebenso mit einer typischen Kriegstaktik, n\u00e4mlich dem vort\u00e4uschen. Z\u00fcfle wu\u00dfte ja das der Park die heilige Kuh der Gegner ist. Daher lie\u00df er einige Einheiten kurz vor drei Uhr Morgens in den Park einmarschieren. Um das marzalische zu unterstreichen waren dort die Bayerischen Kollegen der <a href=\"http:\/\/www.sondereinheiten.de\/community\/multimedia\/usk-polizei\/\" target=\"_blank\">USK-Einheit<\/a> eingesetzt. Diese Kriegstaktik hatte durchaus einen gewissen Erfolg erzielt. Tats\u00e4chlich sind einige vom S\u00fcdfl\u00fcgel in den Park gerannt um dort das Zeltlager und die B\u00e4ume zu besch\u00fctzen. Doch gleich war eigentlich klar das dies nur ein Ablenkungsman\u00f6ver war. ngg_shortcode_3_placeholderKurz darauf liefen Mannschaften von beiden Seiten der Stra\u00dfe am Schlo\u00dfgarten auf und umstellten die Gegner vor dem S\u00fcdfl\u00fcgel. Der Zugang vom Park wurde sofort abgesperrt. Damit waren zu Beginn des Einsatzes schon einmal eine kleine Anzahl Gegner aus dem &#8222;Schu\u00dffeld&#8220;.<\/p>\n<p>Ich selbst konnte leider nicht vor Ort sein da ich im Bayerischen Ansbach eine Schulung halten mu\u00dfte. Doch in dieser Nacht hatte ich trotzdem keinen Schlaf und verfolgte den Einsatz vom Bett aus.<br \/>\nDeshalb kann ich hier auch nur grob vom Einsatz berichten und werde dies auch nicht ausf\u00fchrlich tun.<\/p>\n<p>Der Einsatz lief sehr besonnen ab. Lange Zeit stand die Polizei nur da und demonstrierte ihre \u00dcberzahl. Damit w\u00e4hrend der geplanten R\u00e4umung der Blockade nichts schief ging wurde alles sehr genau gemacht. Die eingebettete Presse konnte sich ann\u00e4hernd frei bewegen, auch cams21 wurde nicht gehindert live zu \u00fcbertragen. Die R\u00e4umungsaufforderungen wurden von einem Moderator professionell freundlich und ruhig verlesen, zus\u00e4tzlich lief ein Schriftband mit der Aufforderung den Platz zu verlassen am Lautsprecherwagen der Polizei falls man die Durchsagen nicht h\u00f6ren sollte. Desweiteren spannte man aus dem S\u00fcdfl\u00fcgel ein gro\u00dfes Transparent mit der Aufforderung und dem Hinweis mit der Richtung S\u00fcdausgang auf. ngg_shortcode_4_placeholderVor dem S\u00fcdausgang wurde dann der freie Ausgang f\u00fcr Blockierer mit zwei Beleuchteten Elementen gekennzeichnet. Es wurde regelm\u00e4\u00dfig darauf hingewiesen das man die Polizeiabsperrung jederzeit frei verlassen k\u00f6nne.<br \/>\nDie Billanz gegen 5 Uhr Morgens: Etwa\u00a02000 Polizisten im Einsatz gegen rund 600 Demonstranten. Zwei Gegner hatten angeblich Pfefferspray dabei, zwei Frauen ketteten sich an ein Fenstergitter und wurden mit Metalls\u00e4gen losgemacht. 27 Gegner wurden weggetragen, 79 mussten ihre Personalien angeben und 2 Gegner wurden in die <a href=\"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2011\/12\/16\/polizeiprasident-lasst-andersdenkende-wegsperren\/\" target=\"_blank\">Gefangenensammelstelle am Wasen<\/a> gebracht.<br \/>\nIm Vergleich: Am 14.1. bei einer <a href=\"http:\/\/www.inventati.org\/ali\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=1897:ali&amp;catid=5:ticker\" target=\"_blank\">Demo gegen Nazis in Magdeburg<\/a> lies die Polizei f\u00fcr 10000 Demonstranten auch 20000 Polizisten aufmarschieren.<br \/>\nngg_shortcode_5_placeholderLeider hatten nur die Bundespolizisten aus dem Hessischen <a href=\"http:\/\/www.bundespolizei.de\/DE\/06Die-Bundespolizei\/Organisation\/Direktionen\/Bereitschaftspolizei\/huenfeld\/huenfeld.html\" target=\"_blank\">H\u00fcnfeld<\/a> auf ihren Jacken eine pers\u00f6nliche Kennzeichnung. Immerhin ein Anfang!<br \/>\nDie Polizisten der anderen Einheiten (<a href=\"http:\/\/www.bundespolizei.de\/DE\/06Die-Bundespolizei\/Organisation\/Direktionen\/Bereitschaftspolizei\/deggendorf\/deggendorf.html\" target=\"_blank\">Deggendorf<\/a>, USK, B\u00f6blingen etc.) sind da noch r\u00fcckst\u00e4ndig. Hier sollten endlich alle L\u00e4nder und der Bund eine Kennzeichnungspflicht f\u00fcr alle Einheiten generell gesetzlich beschlie\u00dfen! Wer nach Vorschrift handelt, sollte damit auch kein Problem haben.<\/p>\n<p>So ist es nicht verwunderlich das das Medienecho nach dem Einsatz mehrheitlich von einem friedlichen und gelungenen Einsatz am S\u00fcdfl\u00fcgel spricht.<br \/>\nngg_shortcode_6_placeholderLediglich die Stuttgarter Zeitung hatte sich mal wieder vor Dummheit \u00fcbertrumpft. Weil sie es nicht erwarten konnte und unbedingt einen Aufmacher zur R\u00e4umung schon Freitag in der Zeitung haben wollte erschien in den ersten Ausgaben gleich nach Andruck gegen 22 Uhr schon die Meldung das die Blockierer um 24 Uhr ger\u00e4umt wurden. Peinlich das diese Meldung dann in der Blockade, als noch nicht mal begonnen wurde zu r\u00e4umen, <a href=\"http:\/\/bambuser.com\/channel\/kephren\/broadcast\/2281049\" target=\"_blank\">verlesen wurde<\/a>.<\/p>\n<p>Mittlerweile wurde der S\u00fcdfl\u00fcgel von Bahnhofsseite (Gleis 16) und Stra\u00dfenseite analog dem Grundwassermanagement eingez\u00e4unt.<br \/>\nNun soll in etwa 2 Wochen mit dem Abbruch begonnen werden und der S\u00fcdfl\u00fcgel bis Ostern komplett abgetragen worden sein.<br \/>\nAuch dabei wird die Polizei mit den Gegnern rechnen m\u00fc\u00dfen!<\/p>\n<p>Und vor allem darf man nicht vergessen: &#8222;D-Day&#8220;-Light &#8211; Teil 2 steht vermutlich auch noch an! Da geht es dann um unwiederbringliche Eingriffe in den Schlo\u00dfgarten, um die F\u00e4llung Jahrhunderte alter B\u00e4ume!<\/p>\n<p>Es bleibt spannend in Stuttgart! Oben Bleiben!<\/p>\nngg_shortcode_7_placeholder\n<p>(S\/W Bilder: Thomas Igler | Handybilder: Andre)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit meinem letzten Artikel Stadt Stuttgart verh\u00e4ngt erste \u201cNo-Go-Area\u201d ist viel passiert. Der Widerstand gegen das millliardengrab Stuttgart 21 ist wieder aus seiner kurzfristigen Erstarrung nach der sogenannten Volksabstimmung erwacht und mit neuer St\u00e4rke pr\u00e4sent! Kurzfristig wurde den Mietern in der ehemaligen Eisenbahndirektion gek\u00fcndigt. 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