{"id":2042,"date":"2014-06-21T11:06:11","date_gmt":"2014-06-21T09:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/dietenberger.de\/blog\/?p=2042"},"modified":"2014-06-21T11:07:21","modified_gmt":"2014-06-21T09:07:21","slug":"im-keller-der-stuttgarter-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2014\/06\/21\/im-keller-der-stuttgarter-geschichte\/","title":{"rendered":"Im Keller der Stuttgarter Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Seit ein paar Wochen sieht man es: Stuttgart bekommt ein Museum zur Stadtgeschichte. Dort wo bis vor kurzem noch die Stadtbibliothek beheimatet war tummeln sich nun Bagger und Kr\u00e4ne in der historischen Bausubstanz. Dem Wilhelmsbau.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat Stuttgart bisher noch kein eigenes Museum \u00fcber die Stadt. Lediglich Bad Cannstatt hat sich bisher intensiv \u00fcber ihre Geschichte im \u201eKl\u00f6sterle\u201c gek\u00fcmmert.<br \/>\nLange wurde diskutiert und ausgesessen bis endlich im Herbst 2007 der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss f\u00fcr das Stadtmuseum fasste.<br \/>\nSeit 2007 wird also nun daran gearbeitet. Zuerst mussten Stellen f\u00fcr einen Planungsstab geschaffen werden. Dieser Zog in ein Teil des historischen Tagblatt-Turmes ein. Von einem Konzept geschweige denn von einer passenden \u00d6rtlichkeit f\u00fcr das Museum war man noch meilenweit entfernt. Trotzdem wurden ziemlich fr\u00fch erste Ideen und Sammlungen umgesetzt.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderUnter dem Motto \u201e<a href=\"http:\/\/www.stadtmuseum-stuttgart.de\/382.html\" target=\"_blank\">Stuttgarter leben \u2013 Stuttgart erleben<\/a>\u201c (2008\u201309) wurden Stuttgarter B\u00fcrger zu ihrem Stuttgart befragt. Da ich 2009 fest nach Stuttgart gezogen bin war dies der erste Ber\u00fchrungspunkt mit dem Stadtmuseum Stuttgart. Damals machte ich bei diesem Projekt mit und beschrieb wie ich mein Stuttgart (damals) sah. Die Ergebnisse wurden auf Plakate gedruckt und in Stuttgart plakatiert. So konnte man auch meine Sicht der Dinge, beschr\u00e4nkt auf wenige Stichpunkte damals an diversen Stellen in der Stadt lesen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Ziemlich gr\u00fcner Fleck und klein und irgendwie im Loch.<br \/>\n<\/strong>Andr\u00e9 D. \u00fcber sein Stuttgart<\/p><\/blockquote>\n<p>Dem Projekt schlo\u00df sich noch eine Ausstellung zum Thema im Hegelhaus an.<br \/>\nDanach verlor ich aber das Thema Stadtmuseum Stuttgart wieder etwas aus dem Auge.<\/p>\n<p>Erst w\u00e4hrend der Hochphase des Stuttgart21 Widerstandes hatte ich wieder Kontakt mit dem Planungsstab. Zum einen wollten die damals mein Mobiltelefon mit dem ich den Widerstand auf das noch relativ frische Medium twitter brachte und zum anderen hat der Planungsstab w\u00e4hrend der Schlichtung und dem drohenden Abriss des S\u00fcdfl\u00fcgels auf meine Bitte hin die Keller etc. auf interessante Gegenst\u00e4nde aus der Zeit der BaLi, der Bahnhofslichtspiele die dort fr\u00fcher deponiert gewesen waren. Leider kamen sie aber zu sp\u00e4t und etliche Kinoplakate etc. sind in Schuttcontainern abtransportiert worden.<br \/>\nMittlerweile war auch das Leitbild\/Konzept des Stadtmuseum Stuttgart erstellt und auch der passende Ort, das frei werdende Wilhelmspalais bot genau die richtige Gr\u00f6\u00dfe und auch die Lage neben Staatsarchiv und Staatsgalerie ist nahezu perfekt.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Wer seine Geschichte nicht erz\u00e4hlen kann, existiert nicht.<\/strong><br \/>\nSalman Rushdie (*1947), engl. Schriftsteller<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Sommer 2010 zog das Stadtmuseums-Archiv nach Bad Cannstatt. Eigentlich ist das so aber auch nicht richtig. Denn bis dahin gab es ein solches Archiv direkt eigentlich gar nicht. ngg_shortcode_1_placeholderDas Stadtarchiv selbst hat relativ wenig historische Gegenst\u00e4nde gesammelt. Das liegt vermutlich daran, dass Archivare ihr Herz dem Gedruckten verschrieben haben, aber mit anderen Gegenst\u00e4nden nicht so viel anfangen k\u00f6nnen. Solche Sachen lassen sich eben schwer abheften oder binden.<\/p>\n<p>Da mich die Geschichte Stuttgarts und eben auch das werdende Stadtmuseum Stuttgart schon immer interessierten war es vor ein paar Wochen endlich mal an der Zeit selbst das Depot zu besichtigen.<br \/>\nMit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Markus Speidel, der f\u00fcr das Ausstellungskonzept und den Umbau des Wilhelmspalais verantwortlich ist, pflege ich schon l\u00e4ngere Zeit einen freundschaftlichen Kontakt via twitter und hin und wieder auch pers\u00f6nlich auf manch Veranstaltungen.<\/p>\n<p><strong>So ging es dann in die heiligen Hallen des Stadtmuseum Stuttgart.<\/strong><\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderIm Erdgeschoss geht es noch wenig spektakul\u00e4r zu. Hier kommen neue Gegenst\u00e4nde an und m\u00fcssen erst einmal gereinigt werden. So versucht man ungeliebtes Getier etc. nicht in das Archiv einzuschleppen.<br \/>\nAuch werden dort die eingehenden Gegenst\u00e4nde digitalisiert und inventarisiert. Das alles findet derzeit in einem relativ kleinem Raum statt. Dies soll sich aber bald \u00e4ndern.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_3_placeholderBewaffnet mit Handschuhen geht\u2019s dann mit dem Aufzug in die beiden unterirdischen Archivstockwerke. Die T\u00fcr geht auf und ich steh mitten in der Geschichte Stuttgarts. Ein ganz besonderes Gef\u00fchl \u00fcberkommt einem da. Pl\u00f6tzlich wird ein Teil der Geschichte der Stadt die man aus dem hier und heute kennt wieder wach. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt es w\u00fcrde modrig riechen in so einem Archiv. Nat\u00fcrlich ist das Quatsch. Schlie\u00dflich sind alle beiden Stockwerke klimatisiert.<br \/>\nIch stellte mir so ein Archiv chronologisch geordnet vor. Doch hier unten wurde ich vom Gegenteil \u00fcberrascht. Es steht eigentlich alles aus den verschiedensten Epochen kreuz und quer beisammen. Das hat aber einen rein praktischen Grund. Da die Gegenst\u00e4nde ja lange erhalten bleiben sollen mu\u00df man ihnen das optimale Klima bieten. So wird eben nicht nach Themen, sondern ganz praktisch nach Materialien gesammelt. Also in die groben Kategorien Holz, Stein, Stoff, Eisen und Papier.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_4_placeholderWie schon erw\u00e4hnt sind von st\u00e4dtischer Seite nicht viel Archivarien in das Depot gekommen. Besonders schlecht ist die Sammlung vor dem 18 Jahrhundert. Etwas besser steht es da um das 19. und 20. Jahrhundert. Probleme macht dem Stadtmuseum Stuttgart oftmals die schlechte oder gar fehlende Kennzeichnung bzw. Zuordnung des Gegenstandes. Entweder man hatte einfach nichts dazu aufgeschrieben, nur einen Zettel dazugelegt oder ging davon aus das man ja wisse um was es sich handeln w\u00fcrde. Doch nach mehreren Jahrzehnten verschwinden Gegenst\u00e4nde aus unserem Alltag und wir wissen nicht mehr f\u00fcr was es mal gebraucht wurde. Wenn das Statdtmuseum Stuttgart \u00fcber solche F\u00e4lle stolpert hilft nur eins Recherche. Ab und an wird hierbei auch \u00fcber die Webseite um aktive Mithilfe gebeten und hin und wieder wird so auch schnell eine L\u00f6sung gefunden. So zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.stadtmuseum-stuttgart.de\/blog\/stadtmuseum\/2013\/10\/31\/raetselhaftes-aus-dem-depot\/\" target=\"_blank\">ein Ding das sich schnell als Zigarrenschneider herausstellte<\/a>.<\/p>\n<p>Das Archiv wird kontinuierlich mit Gegenst\u00e4nden aus der aktuellen Zeit erg\u00e4nzt. Gro\u00dfe Themen unserer Zeit sind dabei unter anderem die Olympiabewerbung, das Pro und Contra rund um Stuttgart21 sowie das Thema Fl\u00fcchtlinge anhand eines komplett ausgestatteten Fl\u00fcchtlingscontainers.<\/p>\n<p>Das Stadtmuseum Stuttgart legt in der Sammlung das Hauptaugenmerk auf das st\u00e4dtische Leben in Stuttgart. Das Thema Residenz- bzw. Landeshauptstadt sammelt das Haus der Geschichte bzw. die Landesmuseen.<\/p>\n<p>Meine Sammlungslieblinge habe ich glaube auch schon gefunden. Eine riesige Sammlung von Kodak Fotoapparaten, der goldene B\u00e4r der vor dem ersten Gewerkschaftshaus im Bohnenviertel gestanden haben soll, sowie das bekannte Blyle Matrosenkost\u00fcm. Dies konnte \u00fcbrigens \u201emitwachsen\u201c. Man konnte vor Ort beim Blyle die \u00c4rmel und L\u00e4nge des Matrosenanzuges verl\u00e4ngern lassen wenn der Bub rausgewachsen war.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_5_placeholderAlles in Allem trotzdem eine interessante und teils spannende Sammlung die dort zusammengetragen wurde. Das Museumskonzept sieht zwei Sonderausstellungen pro Jahr vor. Damit wird von Beginn an sichergestellt das es kein Museum wird das man nur einmal gesehen haben mu\u00df. Es wird immer wieder neue Aspekte der Stuttgarter Geschichte vorgestellt.<\/p>\n<p>Ich glaube bis zur Museumser\u00f6ffnung 2017 ist noch viel zu tun, aber die Macher sind absolut motiviert und bringen das auch so r\u00fcber. Das dies ein v\u00f6llig neues Museum wird sieht man schon heute an diversen Stellen. So wird heute schon immer mal wieder an diversen Locations Sonderausstellungen organisiert. Die ganze Entstehungsgeschichte kann man im Hauseigenen Blog mitverfolgen. Wer noch aktueller dabei sein m\u00f6chte kann den Machern via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MuseumStuttgart\" target=\"_blank\">twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/stadtmuseum\" target=\"_blank\">facebook<\/a> und instagram folgen und auch interagieren.<\/p>\n<p>Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf ein lebendiges Museum und w\u00fcnsch den Machern auch weiterhin noch so viel spa\u00df an der Sache wie bisher!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stadtmuseum-stuttgart.de\/blog\/stadtmuseum\/\" target=\"_blank\">Das Blog des Stadtmuseum Stuttgart<\/a><\/p>\n<p>In diesem Sinne:<br \/>\nAdele<br \/>\nngg_shortcode_6_placeholder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ein paar Wochen sieht man es: Stuttgart bekommt ein Museum zur Stadtgeschichte. Dort wo bis vor kurzem noch die Stadtbibliothek beheimatet war tummeln sich nun Bagger und Kr\u00e4ne in der historischen Bausubstanz. 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