{"id":1921,"date":"2013-12-08T10:00:02","date_gmt":"2013-12-08T09:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/dietenberger.de\/blog\/?p=1921"},"modified":"2013-11-08T15:38:48","modified_gmt":"2013-11-08T14:38:48","slug":"stuttgart-nach-der-novemberrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dietenberger.de\/blog\/2013\/12\/08\/stuttgart-nach-der-novemberrevolution\/","title":{"rendered":"Stuttgart nach der Novemberrevolution"},"content":{"rendered":"<p>Die Novemberrevolution ist gerade vorbei, der W\u00fcrttemberger K\u00f6nig hat abgedankt.<br \/>\nUnd im\u00a0 Reich? Alles andere als eine stabile Regierung.<br \/>\nAus dem K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg wird der Volksstaat W\u00fcrttemberg, der wiederum ein Teil der Weimarer Republik ist. Von Anfang an ist die junge Republik den Angriffen der extremen Rechten und Linken ausgesetzt. Die Linke wirft den Sozialdemokraten wegen ihres Zusammengehens mit den alten Eliten Verrat an den Idealen der Arbeiterbewegung vor. Die Rechte wiederum machen die Anh\u00e4nger der Republik f\u00fcr die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich. Gleichzeitig k\u00e4mpft die Reichsegierung sowie die Regierungen der L\u00e4nder\u00a0 mit den Kriegsfolgen. Inflation, Versorgungsengp\u00e4sse, Wohnungsnot und andere gravierende \u00f6konomische und soziale Probleme pr\u00e4gen das Bild.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vier Wochen nach der Revolution in Stuttgart wird am <strong>8. Dezember 1918<\/strong> die erste Landesversammlung der w\u00fcrttembergischen Arbeiterr\u00e4te abgehalten. Kurz darauf, am <strong>11. Dezember 1918<\/strong>, wird eine Wahlordnung zur verfassungsgebenden w\u00fcrttembergischen Landesversammlung erlassen.<br \/>\nAngesetzter Wahltermin, erneut vier Wochen sp\u00e4ter, am 12. Januar 1919.<\/p>\n<p>Nach den Weihnachtsfeierlichkeiten findet am <strong>28. Dezember 1918<\/strong> ein Treffen der vier s\u00fcddeutschen Ministerpr\u00e4sidenten in Stuttgart statt. (W\u00fcrttemberg: Wilhelm Blos, Baden: Anton Gei\u00df, Bayern: Kurt Eisner sowie Hessen: Carl Ulrich)<br \/>\nIn ihrer Stuttgarter Erkl\u00e4rung bekunden sie das Festhalten der s\u00fcddeutschen L\u00e4nder am Reich.<\/p>\n<p><strong>4. &#8211; 12. Januar 1919<\/strong>. Erster Putschversuch der Spartakisten.<br \/>\nIn der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1919 bezieht Leutnant Paul Hahn (Nachrichtendienst) mit seiner Truppe den Gefechtsstand im Bahnhofsturm. Von der oberen Plattform l\u00e4sst sich mit Maschinengewehren die ganze K\u00f6nigstra\u00dfe bis zum Wilhelmsbau unter Beschuss nehmen. Es gibt Tote und Verletzte.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholder<strong>8, Januar 1919<\/strong>. Nun zieht auch die Regierung unter Leitung des Sozialdemokraten Wilhelm Blos vom alten Schlo\u00df in den noch im Rohbau befindlichen Bahnhofsturm. Unverputzte W\u00e4nde, schnell zusammengezimmerte Tische und B\u00e4nke, sowie Strohs\u00e4cke zum schlafen bilden die provisorische Einrichtung..<\/p>\n<p><strong>12. Januar 1919<\/strong>. Wahl zur Verfassunggebenden Landesversammlung, Wilhelm Blos (MSPD)<\/p>\n<p><strong>17. Januar 1919<\/strong>. Theodor Heuss h\u00e4llt einen Vortrag im Rahmen einer Parteiveranstaltung der DDP in Stuttgart. Dort schl\u00e4gt er die Vereinigung von Baden und W\u00fcrttemberg vor.<\/p>\n<p>In Stuttgart spottet man: \u201eFr\u00fcher regierte blo\u00df Wilhelm, jetzt Wilhelm Blos.\u201c<\/p>\n<p><strong>31. M\u00e4rz &#8211; 10. April 1919<\/strong>. Zweiter Putschversuch der Spartakisten mit einem Generalstreik in Stuttgart. Die W\u00fcrttembergische Regierung ruft den Belagerungszustand aus und geht mit mit schweren Gesch\u00fctzen dagegen vor. 16 Tote, 50 Schwerverletzte. Clara Zetkin kritisiert sp\u00e4ter in einer Sitzung der Verfassunggebenden Landesversammlung das brutale Vorgehen der Regierung gegen die Spartakisten.<\/p>\n<p><strong>Juni 1919<\/strong>. Einige R\u00e4te versuchen nochmals einen Aufstand auf dem Schlossplatz. Der \u201eRote Hahn\u201c, begleitet vom sp\u00e4teren Bundesminister Eberhard Wildermuth, stellt sich ihnen mit einer Pistole entgegen. Der Aufruhr erstickt im Keim.<\/p>\n<p><strong>4. M\u00e4rz 1920<\/strong>. Hitler tritt erstmals in Stuttgart bei einer Veranstaltung des deutschv\u00f6lkischen Schutz- und Trutzbundes im Dinkelackersaal auf. Er findet dort, wie bei seinen weiteren 10 Besuchen in Stuttgart bis 1932, noch keinen gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Zuspruch.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholder<strong>M\u00e4rz 1920<\/strong>. Das Deutsche Reich, die Weimarer Republik, wird auf eine Bew\u00e4hrungsprobe gestellt. Der Kapp-Putsch. Freikorps (welche gem\u00e4\u00df Versailler Vertrag aufzul\u00f6sen sind) besetzen unter der F\u00fchrung von General von L\u00fcttwitz das Berliner Regierungsviertel und ernennen den ehemaligen preu\u00dfischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler.<br \/>\nDie legale Reichsregierung unter Reichspr\u00e4sident Friedrich Ebert flieht zun\u00e4chst nach Dresden und kurz darauf nach Stuttgart. Die Reichsregierung sitzt im Ostturm des Alten Schlosses. Die Nationalversammlung tagt am <strong>18. M\u00e4rz 1920<\/strong> unter dem Kuppelsaal des Kunstgeb\u00e4udes.<br \/>\nDer Putsch scheitert rasch, nicht zuletzt an der Weigerung der Ministerialb\u00fcrokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten.<br \/>\n\u00dcbrigens tagt seit 25. September 2013 bis voraussichtlich Anfang 2016 der aktuelle Landtag von Baden-W\u00fcrttemberg unter derselben Kuppel wegen der Renovierung des eigentlichen Landtaggeb\u00e4udes gegen\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>August 1920<\/strong>. Werksangeh\u00f6rige von Daimler zerst\u00f6ren eine Lieferung Motorgesch\u00fctze, die von der Reichswehr bestellt sind, bis zur Unkenntlichkeit. Auch bei Bosch und der Maschinenfabrik Esslingen wird demonstriert.<br \/>\nWegen den Demonstrationen gegen den neu eingef\u00fchrten Lohnsteuerabzug l\u00e4sst die w\u00fcrttembergische Regierung diese Betriebe am Morgen des <strong>26. August 1920<\/strong> von Polizeikr\u00e4ften besetzen. Die Arbeiterr\u00e4te reagieren mit dem Aufruf zum Generalstreik.<br \/>\nngg_shortcode_2_placeholder<strong><\/strong>Die Polizei, unter F\u00fchrung des regierungstreuen \u201eRoten Hahns\u201c, kann den Generalstreik in 14 Tagen niederwerfen. Unterst\u00fctzt wird er dabei von vielen Freiwilligen (insbesondere Studenten).<br \/>\nAuch hier verschanzt sich die Landesregierung ein weiteres mal im Turm des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofes.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><strong>Br\u00fcder zur Sonne zur Freiheit\u00a0<\/strong>(1920)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\">Br\u00fcder zur Sonne zur Freiheit<br \/>\nBr\u00fcder zum Lichte empor<br \/>\nHell aus dem dunklen Vergangen<br \/>\nleuchtet die Zukunft hervor<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\">Seht wie der Zug von Millionen<br \/>\nendlos aus N\u00e4chtigem quillt<br \/>\nBis eurer Sehnsucht Verlangen<br \/>\nHimmel und Nacht \u00fcberschwillt<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\">Br\u00fcder, in eins nun die H\u00e4nde<br \/>\nBr\u00fcder, das Sterben verlacht<br \/>\nEwig der Sklaverei ein Ende<br \/>\nHeilig die letzte Schlacht<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><em>W\u00e4hrend der Weimarer Republik entstand diese beiden\u00a0Strophen:<br \/>\n<\/em>Brechet das Joch der Tyrannen<br \/>\ndie euch so grausam gequ\u00e4lt<br \/>\nSchwenket die blutigroten Fahnen<br \/>\n\u00fcber die Arbeiterwelt<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\">Br\u00fcder ergreift die Gewehre<br \/>\nauf zur entscheidenden Schlacht<br \/>\nDem Sozialismus die Ehre<br \/>\nIhm sei in Zukunft die Macht<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Text von Leonid Petrowitsch Radin (1895\/96) in einem Moskauer Gef\u00e4ngnis\u00a0gedichtet, deutsche \u00dcbersetzung von Hermann Scherchen, dem Leiter eines Arbeiterchores (1918). Hermann Scherchen hatte das Lied in russischer Gefangenschaft geh\u00f6rt. In Deutschland wurde das Lied am 21. September 1920 in Berlin das erste Mal \u00f6ffentlich gesungen. Das Lied gilt als Parteihymne der SPD (Strophen 1.-3.) wurde aber auch auf den Parteiversammlungen der SED gesungen.<\/em><\/p>\n<p>Im <strong>Oktober 1922<\/strong> werden die k\u00f6niglichen Kunstsammlungen versteigert. Die gr\u00f6\u00dften Kisten gehen dabei nach Amerika.<\/p>\n<p><strong>1923<\/strong>. Gro\u00dfe Inflation<\/p>\n<p><strong>1929<\/strong>. Beginnende Wirtschaftskrise<\/p>\n<p>Die Sozialdemokratie ist 1923-1933 nicht an der Landesregierung beteiligt.<\/p>\n<p><strong>April 1932<\/strong>. Landtagswahl. Die bisher kaum vertretenen Nationalsozialisten werden zur st\u00e4rksten Fraktion in W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p><strong>5. M\u00e4rz 1933<\/strong>. Reichstagswahl. Nationalsozialisten in W\u00fcrttemberg 42%<br \/>\n<em>Dieser Teil der Geschichte kann und soll hier nicht in Stichpunkten erz\u00e4hlt werden.<br \/>\nDaf\u00fcr werde ich mir wohl extra viel Zeit nehmen m\u00fcssen um dies entsprechend aufbereiten zu k\u00f6nnen.<\/em><br \/>\n<strong>22. April 1945<\/strong>. Stuttgart wird von franz\u00f6sischen und amerikanischen Truppen besetzt.<\/p>\n<p>Nach Ende des Zweiten Weltkrieges geh\u00f6rt Stuttgart zur amerikanischen Besatzungszone.<\/p>\n<p><strong>19. September 1945<\/strong> wird Stuttgart zur Hauptstadt des Landes W\u00fcrttemberg-Baden erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><strong>25. April 1952<\/strong>. Gr\u00fcndung des Landes Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n<p><!-- default-view.php -->\n<div\n\tclass=\"ngg-galleryoverview default-view\n\t\t\"\n\tid=\"ngg-gallery-50ed8f2b0169cdf5568c3f53ed40cd3c-1\"\n\tdata-nextgen-gallery-id=\"80\"\n\tdata-gallery-id=\"80\"\n\t\tdata-gallery-name=\"Stuttgart nach der Novemberrevolution\"\n\t>\n\n\t\t<!-- Thumbnails -->\n\t\t\t\t<div id=\"ngg-image-0\" class=\"ngg-gallery-thumbnail-box\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\"\n\t\t\t>\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"ngg-gallery-thumbnail\">\n\t\t<a 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