Was gibts Neues bei Stuttgart 21?

Lange habe ich nichts mehr zum Thema Stuttgart21 geschrieben. Das heißt aber noch lange nicht das mir das Thema nicht mehr wichtig wäre. Ganz im Gegenteil.

Viel ist seit meinem letzten Artikel eigentlich nicht passiert. Jedenfalls gibt es quasi noch keinen nennenswerten Bauforschritt von Stuttgart21. Ohje ich weiß, Herr Dietrich dreht sich jetzt sicherlich im Grab um, würde er dies lesen. Achso, nein. Der ist ja noch gar nicht gestorben. Also zumindest physisch nicht. Er würde jetzt sagen das man schon etwa 6000 Meter Tunnel gegraben habe und zeitlich absolut im Plan sei.
Entschuldigung, wie lange läuft das Projekt schon? Eben! Das ist höchstens ein Baufortschritt Marke BER. Zudem ist das eine Summen Angabe. Klingt besser als würde man jeweils die paar Meter der Tunneleinstiche einzeln aufführen. Marketing ist alles. Zudem dürfte man eigentlich die Baustellen der Tunnel oberhalb der Fildern nicht dazu zählen. Denn diese gehören Formal zur Neubaustrecke Stuttgart-Ulm und haben offiziell mit unserem Milliardengrab Stuttgart 21 nichts zu tun.

Über die Neubaustrecke lässt sich auch streiten. Jedoch werden hier vermutlich immerhin 5 bis maximal 10 Minuten Fahrzeitgewinn rausgeholt. Auch könnte man die Strecke, wie ursprünglich geplant und dafür auch von der EU bezuschußt, in die vorhandene Infrastruktur um den Hauptbahnhof Stuttgart problemlos einbinden. Aber zu gern wird dies vom Projektsprecher Dietrich in einen Topf geworfen. Ok, auch das kann am Alter liegen. Ich weiß es nicht.
Ahso, ich höre ihn schon schnauben und knurren das Stuttgart 21 unumgänglich mit der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm zusammen gehöre, denn sonst könne der Flughafen nicht an den Fernverkehr angeschlossen werden. Na und?! Spätestens seit Ende 2013 ist das Thema Anbindung des Flughafens an den Fernverkehr eigentlich so unnötig wie ein Kropf. Wieso? Die S-Bahn fährt schon vom Hauptbahnhof zum Flughafen und in Kürze beginnen auch die Bauarbeiten an der Verlängerung der Stadtbahn-Linie U6 direkt zum Flughafen. Somit müßte man eigentlich erst einmal gar nichts machen, oder lediglich die Strecke etwas ertüchtigen, hier und da ein paar Ausweichstellen einbauen um beispielsweise einen S-Bahn Sprinter zum Flughafen und zur Messe zu führen. Alles für erheblich weniger Geld und vor allem ohne das auf den Fildern auch noch der S-Bahn Verkehr zukünftig eingeschränkt werden würde.

Tja, und was ist dann also im Kessel mit dem Stuttgart21? Tatsächlich reichlich wenig. Die Blauen Rohre für das sogenannte Grundwassermanagement (GWM) rosten nachweislich vor sich hin. Dort wo man am 30. September Schüler und später auch andere Stuttgarter mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken niederprügelte ist bis heute noch nichts passiert. Ja wirklich! Klingt komisch, ist aber so! Lediglich die Grasnarbe wurde umgepflügt und hier und da mal ein Bohrgestänge zum Test versenkt. Mehr aber auch nicht. Der Nesenbachdücker, der schon längst fertig sein sollte, ist noch nicht einmal angefangen. Zu groß sind die Baurisiken. Nun möchte die Bahn statt diesen Dücker zu bohren diesen lieber in offener Bauweise ausführen. Geplant und genehmigt waren 9 Monate an dem der Verkehr zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof umgeleitet werden müßte. Nun spricht die Bahn von 26 Monaten!

Die Stadtbahnlinien U1, U2, U4 und U11 sowie die Queerspange der „Stadtautobahn“ würden daher unterbrochen und dafür in der restlichen Stadt zu noch mehr Verkehrsaufkommen und damit noch mehr Verkehrschaos führen! Klasse!
Der Zugang zu den Gleisen ist mittlerweile schon mehr als ärgerlich. Dennoch kommt man bisher noch direkt von der großen Halle auf den vorverlegten neuen Queerbahnsteig. Schon heute klappen vernünftige Umstiege vom ÖPNV zum Fernverkehr nicht mehr. Auch der Zugwechsel an den Gleisen ist heute reines Chaos zu den Hauptverkehrszeiten. Viel zu enge Bahnsteige ohne die Möglichkeit wie früher bei der Hälfte durch einen Zusatztunnel die Reisenden umsteigen zu lassen lasst schon heute den ein oder anderen Anschlußzug nur noch beim Abfahren von hinten aus sehen. Kommen dann noch „Hindernisse“ wie ein Kinderwagen, Rollstuhl, Eltern mit Kindern an der Hand etc. ist das Gedrängel an den Bahnsteigen perfekt.
Aber ist ja nur vorübergehend. So für 10 oder 15 Jahre, oder so…

Die Mittlerweile nur noch als Torso vorhandene ehemalige ehrwürdige Eisenbahndirektion soll nach den neusten Angaben des alten Mannes (Dietrich a.d.R.) um den Vorbau beraubt werden. Man nennt es „behutsamen Abbau“ und beteuert diesen später wieder dort anzubringen. Es sei denn das Gebäude muß vorher aus statischen Gründen sicherheitshalber restlich „zurückgebaut“ werden.

Am Nordbahnhof hat man nun über die Nordbahnhofstraße für die geplante Logistikstraße eine weitere Brücke aufgelagert. Diese Stelle war schon immer für ein weiteres Gleis als Kapazitätsausbau gedacht aber nie verwirklicht worden. Sonst wäre wohl der bestehende Bahnhof noch besser gewesen wie er sowieso schon war und man hätte noch mehr mit Zahlen tricksen müßen um Stuttgart 21 zu rechtfertigen.
Auf dem alten Güterbahnhof, dem inneren Nordbahnhof, hat man mittlerweile fast alle Gleise rausgeschmissen. Lediglich ein paar Gleise die zum Umladen vom LKW auf die Schiene benötigt werden wurden liegen gelassen bzw. erneuert. Das die Bahn ein Händchen für Anstand oder Pietät hat beweist sie ja immer wieder in Deutschland, aber hier hat sie den Abschuß geliefert. Die wieder ertüchtigen „Logistikgleise“ hat die Bahn ein paar Jahrzehnte zuvor auch schon als „Logistikgleise“ für die Deportation der Juden aus Stuttgart und Baden-Württemberg genutzt. Natürlich nicht die Deutsche Bahn, sondern die Reichsbahn. Darauf legt sie Wert.

Bevor ich es vergesse: tatsächlich hat man auch hier im Nordbahnhof schon mal vorsorglich in die Tiefe gebuddelt. Man spricht vom Zwischenangriff Nordbahnhof. Lustig, die Bahn getraut sich über mal zu buddeln, nur am Problemort Stuttgart Hauptbahnhof meidet man dies wie den Tod. Apropo. Da kommt am Donnerstag ein sogenannter Zeitungsbericht in der StZ das der alte Mann gemeint hätte der erste Spatenstich stehe kurz bevor. Zum einen muß man hier dieses Blatt rügen, denn wäre es ein unabhängiges Blatt würde so eine Meldung erst veröffentlicht sobald es einen Termin dafür gäbe und zum anderen scheint der alte Mann in der Tat allmählich vergesslich werden. Hatten nicht Schuster, Grube, er und noch so ein paar Köpfe den ersten Spatenstich mit der Prellbockanhebung am 2. Februar 2010 gefeiert? Naja, man kann sich ja mal vertun. Das Alter halt.

Habt ihr was gemerkt? Ich habe jetzt schon ein paar Zeilen geschrieben und noch nicht einmal über die Kosten gesprochen. Ok, das scheint sowieso keinen mehr zu interessieren. Also zumindest niemanden der Landesregierung geschweige denn der Bahn. Man hat also bisher quasi noch nichts gebaut, also auch noch keine Risiken herausgefordert und trotzdem ist das gesamte Geld schon mehr als weg. Bei BER hat man wenigstens irgendetwas hingestellt bevor man langsam immer mehr Milliarden nachfordert. Ok, da gabs auch einen sogenannten Ingenieur der die Entrauchungsanlage des Flughafens zu verantworten hatte. Dumm nur, das sich mittlerweile herausstellte das dieser lediglich ein einfacher technischer Zeichner war.
Allerdings erklärt sich mit diesem Wissen für mich langsam so einiges bei Stuttgart21. Was qualifiziert einen zum Bahnchef, zum Sprecher des Bahnprojektes oder etwa zum Chefplaner? Grube, Dietrich oder Penn wollten mir dazu nicht antworten. Sie wissen es vermutlich selbst nicht.

Was bleibt und vor allem was wird?

Gute Frage, nächste Frage. Nein, ich heiße ja nicht Dietrich.
Die Bahn wird das Ding auf Teufel komm raus versuchen zu bauen und die Bundes- und auch Landesregierung wird ihr dabei bereitwillig zur Seite stehen. Es wird die kommenden Jahre immer mehr zu einem Verkehrschaos in der City wie auch auf den Zubringen kommen. Ebenso wird sich das ÖPNV-Chaos ausweiten. Ist die S-Bahn heute schon dauernd am Verspätungen einfahren wird vermehrt die Stadtbahn in Mitleidenschaft gezogen. Quasi bede Stränge Stadtein- und auswärts, also Stadtbibliothek und Staatsgalerie, werden erheblich durch Baustellen eingeschränkt werden bzw. teilweise durch Busverkehre ersetzt werden. Busverkehre, die damit die dann eh schon verstopften Straßenumleitungen zusätzlich verstopfen werden. Von unserem alten Problem Freund Feinstaub mal ganz zu schweigen. Das wird das geringste Problem sein.

Tjo und sollte sich die Bahn dann doch irgendwann einmal daran machen den Trog für die paar Vorortgleise im Schlossgarte auszuheben wird man sich vielleicht kurz darauf, oder aber auch erst Jahre später auf das versiegen oder das verunreinigen einiger Mineralquellen freuen dürfen.
Und sollte einem das alles nicht reichen, dann hat die Stadt freundlicherweise schon vorgesorgt. Sie fängt nämlich jetzt nebenbei noch an ein unnützes Autotunnel unter den Rosenstein zu graben. Das dabei Flächen der Wilhelma geopfert werden spielt keine Rolle, die haben ja jetzt erst mal ihr neues Affengehege. Das dafür der einmalige Fuß- und Radübergang „Elefantensteg“ ersatzlos abgerissen und viele Bäume und Sträucher gefällt werden ist für den Grünen Oberbürgermeister Fritz Kuhn in Ordnung. Immerhin sieht man jetzt vom Auto den Neckar Käpt´n. Ok, man kommt zwar bald nicht mehr an die Anlegestelle aber wen interessiert das? Ist ja schließlich nicht in Stuttgart, sondern in Bad Cannstatt. Außerdem denkt sich Fritz Kuhn sicherlich das sich das Problemchen sowieso bald lösen wird, wenn die Bahn dann noch die letzte Fußgänger und Radfahrerverbindung zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart durch den Abriss der Holzbrücke erledigt haben wird.

Danke auch dafür! Nicht!

Damit wir aber nicht dauernd auf solch traurigen Gedanken kommen wie ich hier hat sich die Stadt ja auch schon eine Lösung überlegt. Zusätzlich zur Shoppingmeile Königstraße wird es in Kürze noch jeweils an den Stadteingängen eine Shoppingmal geben! Im Norden das Milaneo und im Süden das Gerber! Yeah! Blöd nur das dies total überflüssig ist. Noch blöder das die Leute, die da trotzdem rein wollen nicht rein kommen werden da sie im Verkehrschaos Stuttgart stecken werden. Und ganz ehrlich? Wer fährt schon mit der Stadtbahn in ne Shoppingmal? Maximal das zu biligstlöhnen beschäftigte Personal dieser Konsumtempel.
So, das wars jetzt mal in Kürze von mir. Ihr seht ich hab derzeit echt viel Spaß in Stuttgart.
Aber trotz alle dem laß ich den Kopf nicht hängen und versuche das beste daraus zu machen.

In diesem Sinne.
Ade

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