Stuttgart nach der Novemberrevolution

Die Novemberrevolution ist gerade vorbei, der Württemberger König hat abgedankt.
Und im  Reich? Alles andere als eine stabile Regierung.
Aus dem Königreich Württemberg wird der Volksstaat Württemberg, der wiederum ein Teil der Weimarer Republik ist. Von Anfang an ist die junge Republik den Angriffen der extremen Rechten und Linken ausgesetzt. Die Linke wirft den Sozialdemokraten wegen ihres Zusammengehens mit den alten Eliten Verrat an den Idealen der Arbeiterbewegung vor. Die Rechte wiederum machen die Anhänger der Republik für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich. Gleichzeitig kämpft die Reichsegierung sowie die Regierungen der Länder  mit den Kriegsfolgen. Inflation, Versorgungsengpässe, Wohnungsnot und andere gravierende ökonomische und soziale Probleme prägen das Bild.

Vier Wochen nach der Revolution in Stuttgart wird am 8. Dezember 1918 die erste Landesversammlung der württembergischen Arbeiterräte abgehalten. Kurz darauf, am 11. Dezember 1918, wird eine Wahlordnung zur verfassungsgebenden württembergischen Landesversammlung erlassen.
Angesetzter Wahltermin, erneut vier Wochen später, am 12. Januar 1919.

Nach den Weihnachtsfeierlichkeiten findet am 28. Dezember 1918 ein Treffen der vier süddeutschen Ministerpräsidenten in Stuttgart statt. (Württemberg: Wilhelm Blos, Baden: Anton Geiß, Bayern: Kurt Eisner sowie Hessen: Carl Ulrich)
In ihrer Stuttgarter Erklärung bekunden sie das Festhalten der süddeutschen Länder am Reich.

4. – 12. Januar 1919. Erster Putschversuch der Spartakisten.
In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1919 bezieht Leutnant Paul Hahn (Nachrichtendienst) mit seiner Truppe den Gefechtsstand im Bahnhofsturm. Von der oberen Plattform lässt sich mit Maschinengewehren die ganze Königstraße bis zum Wilhelmsbau unter Beschuss nehmen. Es gibt Tote und Verletzte.

8, Januar 1919. Nun zieht auch die Regierung unter Leitung des Sozialdemokraten Wilhelm Blos vom alten Schloß in den noch im Rohbau befindlichen Bahnhofsturm. Unverputzte Wände, schnell zusammengezimmerte Tische und Bänke, sowie Strohsäcke zum schlafen bilden die provisorische Einrichtung..

12. Januar 1919. Wahl zur Verfassunggebenden Landesversammlung, Wilhelm Blos (MSPD)

17. Januar 1919. Theodor Heuss hällt einen Vortrag im Rahmen einer Parteiveranstaltung der DDP in Stuttgart. Dort schlägt er die Vereinigung von Baden und Württemberg vor.

In Stuttgart spottet man: „Früher regierte bloß Wilhelm, jetzt Wilhelm Blos.“

31. März – 10. April 1919. Zweiter Putschversuch der Spartakisten mit einem Generalstreik in Stuttgart. Die Württembergische Regierung ruft den Belagerungszustand aus und geht mit mit schweren Geschützen dagegen vor. 16 Tote, 50 Schwerverletzte. Clara Zetkin kritisiert später in einer Sitzung der Verfassunggebenden Landesversammlung das brutale Vorgehen der Regierung gegen die Spartakisten.

Juni 1919. Einige Räte versuchen nochmals einen Aufstand auf dem Schlossplatz. Der „Rote Hahn“, begleitet vom späteren Bundesminister Eberhard Wildermuth, stellt sich ihnen mit einer Pistole entgegen. Der Aufruhr erstickt im Keim.

4. März 1920. Hitler tritt erstmals in Stuttgart bei einer Veranstaltung des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes im Dinkelackersaal auf. Er findet dort, wie bei seinen weiteren 10 Besuchen in Stuttgart bis 1932, noch keinen großen öffentlichen Zuspruch.

März 1920. Das Deutsche Reich, die Weimarer Republik, wird auf eine Bewährungsprobe gestellt. Der Kapp-Putsch. Freikorps (welche gemäß Versailler Vertrag aufzulösen sind) besetzen unter der Führung von General von Lüttwitz das Berliner Regierungsviertel und ernennen den ehemaligen preußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler.
Die legale Reichsregierung unter Reichspräsident Friedrich Ebert flieht zunächst nach Dresden und kurz darauf nach Stuttgart. Die Reichsregierung sitzt im Ostturm des Alten Schlosses. Die Nationalversammlung tagt am 18. März 1920 unter dem Kuppelsaal des Kunstgebäudes.
Der Putsch scheitert rasch, nicht zuletzt an der Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten.
Übrigens tagt seit 25. September 2013 bis voraussichtlich Anfang 2016 der aktuelle Landtag von Baden-Württemberg unter derselben Kuppel wegen der Renovierung des eigentlichen Landtaggebäudes gegenüber.

August 1920. Werksangehörige von Daimler zerstören eine Lieferung Motorgeschütze, die von der Reichswehr bestellt sind, bis zur Unkenntlichkeit. Auch bei Bosch und der Maschinenfabrik Esslingen wird demonstriert.
Wegen den Demonstrationen gegen den neu eingeführten Lohnsteuerabzug lässt die württembergische Regierung diese Betriebe am Morgen des 26. August 1920 von Polizeikräften besetzen. Die Arbeiterräte reagieren mit dem Aufruf zum Generalstreik.

Die Polizei, unter Führung des regierungstreuen „Roten Hahns“, kann den Generalstreik in 14 Tagen niederwerfen. Unterstützt wird er dabei von vielen Freiwilligen (insbesondere Studenten).
Auch hier verschanzt sich die Landesregierung ein weiteres mal im Turm des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofes.

Brüder zur Sonne zur Freiheit (1920)

Brüder zur Sonne zur Freiheit
Brüder zum Lichte empor
Hell aus dem dunklen Vergangen
leuchtet die Zukunft hervor

Seht wie der Zug von Millionen
endlos aus Nächtigem quillt
Bis eurer Sehnsucht Verlangen
Himmel und Nacht überschwillt

Brüder, in eins nun die Hände
Brüder, das Sterben verlacht
Ewig der Sklaverei ein Ende
Heilig die letzte Schlacht

Während der Weimarer Republik entstand diese beiden Strophen:
Brechet das Joch der Tyrannen
die euch so grausam gequält
Schwenket die blutigroten Fahnen
über die Arbeiterwelt

Brüder ergreift die Gewehre
auf zur entscheidenden Schlacht
Dem Sozialismus die Ehre
Ihm sei in Zukunft die Macht

Text von Leonid Petrowitsch Radin (1895/96) in einem Moskauer Gefängnis gedichtet, deutsche Übersetzung von Hermann Scherchen, dem Leiter eines Arbeiterchores (1918). Hermann Scherchen hatte das Lied in russischer Gefangenschaft gehört. In Deutschland wurde das Lied am 21. September 1920 in Berlin das erste Mal öffentlich gesungen. Das Lied gilt als Parteihymne der SPD (Strophen 1.-3.) wurde aber auch auf den Parteiversammlungen der SED gesungen.

Im Oktober 1922 werden die königlichen Kunstsammlungen versteigert. Die größten Kisten gehen dabei nach Amerika.

1923. Große Inflation

1929. Beginnende Wirtschaftskrise

Die Sozialdemokratie ist 1923-1933 nicht an der Landesregierung beteiligt.

April 1932. Landtagswahl. Die bisher kaum vertretenen Nationalsozialisten werden zur stärksten Fraktion in Württemberg.

5. März 1933. Reichstagswahl. Nationalsozialisten in Württemberg 42%
Dieser Teil der Geschichte kann und soll hier nicht in Stichpunkten erzählt werden.
Dafür werde ich mir wohl extra viel Zeit nehmen müssen um dies entsprechend aufbereiten zu können.

22. April 1945. Stuttgart wird von französischen und amerikanischen Truppen besetzt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gehört Stuttgart zur amerikanischen Besatzungszone.

19. September 1945 wird Stuttgart zur Hauptstadt des Landes Württemberg-Baden erklärt.

25. April 1952. Gründung des Landes Baden-Württemberg

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